„Real Steel“: Rocky mit Robotern

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Den Gegner nicht aus den Augen lassen: Charlie (Hugh Jackman) trainiert einen Roboter – Sohnemann Max (Dakota Goyo) schaut interessiert zu.

München - Trotz der spektakulären Spezialeffekte erzählt „Real Steel“ vor allem eine herzerwärmende Vater-Sohn-Geschichte. Hier sehen Sie den Kinotrailer und die Filmkritik.

Seit die Menschen im Boxring von ferngesteuerten Robotern abgelöst wurden, tingelt der abgehalfterte und abgebrannte Ex-Profi-Boxer Charlie (Hugh Jackman) mit altersschwachen Kampfmaschinen über billige Jahrmärkte. Nach dem Tod seiner Ex muss er sich plötzlich um seinen vernachlässigten Sohn Max (Dakota Goyo) kümmern. Das Schicksal gibt ihm eine neue Chance – beruflich und privat: Charlie und Max finden im Müll einen ausrangierten Boxroboter namens Atom, reparieren und trainieren ihn und wachsen dabei zu einem erfolgreichen Team zusammen.

Diese klassische Underdog-Geschichte ist eine Art „Rocky“ mit Robotern – statt der Menschen schlagen sich in „Real Steel“ Maschinen gegenseitig die Birne ein, was für den Zuschauer wesentlich angenehmer ist. Auf den ersten Blick überrascht die Wahl des Regisseurs: Shawn Levy („Nachts im Museum“) gilt nicht als Spezialist für Action, sondern für Familienfilme. Doch das ist gut so, denn trotz spektakulärer Spezialeffekte steht eine herzerwärmende Vater-Sohn-Geschichte im Mittelpunkt. Ähnlich wie bei „Wallace & Gromit“, wo der Hund das Herrchen in puncto Intelligenz um Längen schlägt, ist hier der Filius weitaus klüger und vernünftiger als sein Erzeuger: Über weite Strecken des Films bleibt Charlie ein dumpfbackiger Stinkstiefel.

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Zum Glück wacht er dann doch irgendwann auf. Und zum Glück wird er von Hugh Jackman gespielt: Dem kernigen Charmebolzen sieht man sogar dann gerne zu, wenn er einen ignoranten Vollidioten verkörpert. Sein ebenso großartiger kleiner Leinwand-Partner Dakota Goyo („Thor“) bezaubert mit umwerfender Natürlichkeit

Heimlicher Hauptdarsteller ist indes der rostige Roboter-Rocky Atom, der ähnlich menschliche Züge trägt wie die Titelfigur in „Wall-E“: Man wartet förmlich darauf, dass er „nach Hause telefonieren“ möchte. Er legt seinen Kopf so schön schief wie einst Lady Di – kein Wunder, dass er schließlich zum „Champion der Herzen“ wird. Natürlich ist der Ausgang der Geschichte von der ersten Minute an vorhersehbar. Trotzdem funktioniert der Film als perfektes Popcorn-Kino, das jedem Zuschauer etwas bietet: Roboter und erstklassige Fights für kleine und große Buben, Romantik für die Mädchen. Am Ende ertappen sich die Damen dabei, wie sie leidenschaftlich eine schmuddelige Blechkiste anfeuern – und die Herren dabei, wie sie heimlich eine Träne verdrücken. So spielt diese familienfreundliche Außenseiter-Ballade zwar nicht ganz in Rocky Balboas Gewichtsklasse, gewinnt aber die Herzen der Zuschauer mit einem klaren Sieg nach Punkten.

Marco Schmidt

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