Neue TV-Krimi-Reihe

Das passiert beim ersten "München Mord"

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Die Kommissare Harald Neuhauser (Marcus Mittermeier, l-r), Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) und Josef Schaller (Alexander Held) aus dem neuen ZDF-Samstagkrimi "München Mord".

München - Menschen haben Eigenheiten - auch Polizisten. Im neuen Samstagskrimi „München Mord“ im ZDF stoßen drei so eigenwillige Typen aufeinander. Die Pilotfolge „Wir sind die Neuen“ ist ein spannender Krimi mit melancholischem Unterton.

Sie sind Außenseiter, etwas eigenartig und im Polizeialltag eigentlich überflüssig. Kein Wunder, dass sich Ludwig Schaller und seine beiden jungen Kollegen abgeschoben vorkommen, als sie mit einer Sonderaufgabe betraut werden: In einem fensterlosen Kabuff sollen sie Kriminalfälle abwickeln, die ohne Ergebnis zu den Akten gelegt werden sollen. Ausgerechnet bei ihrem ersten Fall stoßen die drei Ermittler jedoch auf Ungereimtheiten und versuchen, das Rätsel um einen spurlos verschwundenen Mann zu lösen. „Wir sind die Neuen“ ist der Auftakt zur neuen ZDF-Krimireihe „München Mord“ mit Bernadette Heerwagen, Marcus Mittermeier und Alexander Held. Der von Urs Egger spannend inszenierte Krimi mit lakonisch-melancholischem Unterton läuft an diesem Samstag um 20.15 Uhr im ZDF.

Fernsehkommissare gibt es mittlerweile zuhauf im deutschen Fernsehen. Gerne pflegen sie ihre Macken. Mürrische Eigenbrötler finden sich ebenso darunter wie hochsensible Mimosen, kernige Burschen und aufgeregte Witzereißer. In „München Mord“ treffen gleich drei verkorkste Typen aufeinander. Teamchef Schaller (Held) gilt unter Kollegen als verrückt, während Angelika Flierl (Heerwagen) den Polizeidienst am liebsten gegen eine Karriere als Sängerin tauschen würde, was aber mangels Talent nicht klappt. Und Harald Neuhauser (Mittermeier) ist ein notorischer Frauenheld, der zuletzt mit der Frau eines Fußballprofis angebandelt und sich damit gewaltig Ärger einhandelt hat. Ihr opportunistisch-schleimiger Chef Zangel, gespielt von „Quer“-Moderator Christoph Süß, hat für so viel geballte Eigenheiten nur Herablassung übrig.

In seinem ersten Fall stößt das Trio auf eine Frau (Julia Koschitz), die in ihrem Dorf als Außenseiterin und Querulantin gilt. Sie ist fest davon überzeugt, dass ihr vermisster Ehemann umgebracht wurde, doch die Polizei im Ort glaubt eher daran, dass er sich nach Italien abgesetzt hat und womöglich noch die Mafia ihre Finger im Spiel hat.

Egger und das Autorenduo Alexander Adolph und Eva Wehrum geben den drei Kommissaren Raum, sich zu entfalten mit all ihren merkwürdigen Eigenheiten. Trotz mancher privater Einblicke verlieren sie sich aber dennoch nicht in belanglosem Geplänkel, sondern verleihen ihren Figuren vielmehr Tiefe. Schauspieler Alexander Held fühlt sich seinem Schaller durchaus verbunden. „Er ist mir sehr vertraut“, sagte er. „Er ist ein sehr guter Beobachter, das ist mir meinem Beruf auch nicht so fremd.“ Zudem lasse sich Schaller nicht so leicht aus der Ruhe bringen. „Er ist einer, der sicher nicht typisch für diese Leistungsgesellschaft ist, der aber dennoch seine Leistung bringt“, beschrieb Held.

„Eigentlich sollen sie nichts tun als Kommissare, deswegen bekommen sie einen Fall, der abgeschlossen ist“, erläutert ZDF-Redakteur Günther van Endert. „Jetzt, wo die Loser gezeigt haben, dass sie keine Loser sind, wird es andere Kriminalfälle in dieser Reihe geben.“ Verlierer, die es allen beweisen - für das ZDF ein Weg, inmitten der unzähligen TV-Ermittler hervorzustechen. „Das ist sehr schwierig geworden“, gibt van Endert zu. Fernsehkommissare müssten heute andere Qualitäten mitbringen als früher. „Es sind keine glatten ordentlichen Figuren, sie müssen Konturen haben und sich abheben von anderen.“

„München Mord“ ist nicht die einzige Neuerung bei den traditionsreichen Samstagskrimis. Seit Anfang März ermittelt bereits Anna Loos als „Helen Dorn“, Lisa Wagner alias „Kommissarin Heller“ jagt bald Verbrecher in Wiesbaden und Sophie Dal und Florian Lukas sind in „Friesland“ Bösewichten auf der Spur. Iris Berben („Rosa Roth“) und Wolfgang Stumph („Stubbe“) sind dagegen nicht mehr im Dienst.

„Wir wollen den Samstagskrimi stärken, indem wir die Anzahl erhöhen, neue Erzählformen ausprobieren und verstärkt jüngere Zuschauer ansprechen wollen“, erklärt van Endert die Strategie des Senders. Doch mit der Erneuerung ist noch nicht Schluss. Schließlich gibt es noch Orte, an denen noch keine TV-Ermittler unterwegs sind. „Wir sind unter anderem noch dran, eine Krimireihe zu entwickeln, die in Sachsen spielt“, sagt van Endert. Einen Titel nennt er noch nicht. Fest steht nur: das ZDF setzt auch hier wieder auf Frauenpower und schickt in Dresden zwei Kommissarinnen auf Gangsterjagd.

dpa

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