Zee.One zeigt nur indische Filme

Neuer Sender bringt Bollywood nach Deutschland

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Friederike Behrends von Zee.One.

München - Bollywood kommt nach Deutschland. Am 29. Juli startet der Sender Zee.One mit einem Programm ausschließlich aus der indischen Traumfabrik im Free-TV. Wir haben mit Chefin Friederike Behrends gesprochen.

Der indische Fernsehkonzern Zee Entertainment Enterprises Limited (ZEEL) setzt zum Sprung auf den deutschen Markt an. In 171 Ländern ist der Konzern bereits vertreten, eine Milliarde Menschen können das Programm von ZEEL empfangen – und jetzt ist auch Deutschland dran. Am Donnerstag startet der Bollywood-Sender Zee One. Er soll via Satellit, Kabel und IPTV zu empfangen sein. Senderchefin Friederike Behrends war zuvor unter anderem in Diensten des Westdeutschen Rundfunks (WDR).

Welche Zielgruppe versprechen Sie sich?

Frauen zwischen 19 und 59. Und wir lassen uns überraschen, wer darüber hinaus noch Bollywood-Fan wird. Auf Facebook zeichnet sich bislang ein sehr junges Publikum ab. Viele junge Mädchen sind total verrückt nach Bollywood. Im Programm geht es um Schönheit, Tanz, es ist sehr farbenfreudig. Wir haben auch festgestellt, dass viele Menschen mit türkischen oder arabischen Wurzeln, insbesondere Mädchen, die hier leben, eine Affinität zu Bollywood-Filmen haben – aber deutsche Mädchen genauso. Wer Barbie mag, mag auch Bollywood.

So ein ganz großes Publikum hat das Bollywood-Kino in Deutschland aber nicht, oder?

Das, was wir hier kennen, ist ja auch nur ein ganz kleiner Teil von Bollywood. Bollywood ist nicht nur kitschig, es ist eine der größten Filmindustrien der Welt mit einem Wahnsinnsspektrum. Es gibt Action, Horror, Dokumentationsfilme. Es gibt jedes Genre. Und wir wollen Bollywood aus der Nische herausholen.

Das Bild Indiens in der jüngsten Vergangenheit ist nicht nur bunt, sondern in der öffentlichen Wahrnehmung auch durch schreckliche Ereignisse wie brutale Vergewaltigungen und durch ein fragwürdiges Frauenbild geprägt. Gibt es ein sozialkritisches Bollywood-Kino?

Das sind nicht die Filme, mit denen wir starten wollen. Unser Motto ist „I feel Bolly Good“, und danach haben wir auch erst mal die Filme ausgewählt. Wir haben im September das Motto „Powerfrauen“. Da gibt es fast nur selbstbewusste, starke, gleichberechtigte Frauen, die auf Augenhöhe mit den Männern agieren.

Es soll Eigenproduktionen aus Deutschland geben. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Ein Bollywood-Magazin zum Beispiel, in dem es auch um andere Elemente wie Kochen oder Reisen gehen kann. Wir können uns sehr viel vorstellen. Mit den Eigenproduktionen schaffen wir ja auch noch mal ein ganz spezielles Gesicht des Senders in Deutschland. Wir arbeiten ansonsten ganz eng mit unseren internationalen Kollegen zusammen. Das Programm kommt zunächst vor allem aus Großbritannien. Für Deutschland wird aber alles extra synchronisiert. Es sind fast alles Erstausstrahlungen.

Welche Marktanteile wollen Sie erreichen?

Ich möchte keine Zahlen nennen, aber wir wollen schon eine große Masse erreichen. Es soll sich auch für das Unternehmen rechnen.

Was haben Sie denn als größte Konkurrenz ausgemacht? Die Frauen zwischen 19 und 59, die Sie erreichen wollen, schauen ja bislang auch schon Fernsehen...

Wir sind konkurrenzlos.

Wie wichtig ist Ihr Markenbotschafter Shah Rukh Khan für Sie? Zieht der in Deutschland?

Wir glauben, dass Shah Rukh Khan das schafft. Es ist das erste Mal, dass er das überhaupt für einen Fernsehsender macht.

Gerade dieses Klischeebehaftete – Liebe, Tanz, Musik und Kitsch – ist aber doch das, womit Sie Ihre Zuschauerinnen abholen wollen.

Ja, das ist natürlich eine Herausforderung. Wir wollen die Leute aber auch mitnehmen und ihnen mehr zeigen. Es ist also beides.

Ist auch etwas für die Burschen dabei?

Ja! Viel Action! Und schöne Frauen sind doch etwas für Burschen – im Gegensatz gibt es dann für die Frauen schöne Männer mit Sixpack.

Worin sehen Sie inhaltlich die größten Unterschiede zwischen Bollywood- und Hollywood-Produktionen?

Musik ist in Bollywood-Filmen ein Element der Handlung, und das ist schon sehr besonders. Allerdings glaube ich, dass sich die Geschmäcker dadurch, dass die Welt kleiner geworden ist, angeglichen haben. Das sieht man ja auch daran, dass die beiden indischen Superstars Priyanka Chopra und Deepika Padukone gerade als Bond-Girls gehandelt werden. Ein Unterschied ist auch, dass in Bollywood alles ein bisschen bombastischer und viel opulenter ist.

Britta Schultejans/dpa

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