Anke Engelke ist dem Glück auf den Fersen

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Früher suchte Herr Rossi das Glück, heute ist es Anke Engelke.

Berlin - Anke Engelke mal ganz anders: Die Entertainerin hat für das deutsche Fernsehen eine Reportage zum Thema Glück gedreht - ihr Erstling in diesem Genre fühlt sich unverbraucht und erfrischend an.

Die 47-Jährige, den meisten TV-Zuschauern als Comedy-Powerfrau wie bei „Ladykracher“ auf Sat.1 bekannt, hat auch ein anderes Gesicht. In der 60 Minuten langen Reportage „Sowas wie Glück“ will sie im „Ersten“ (Montag, 18.11., 20.15 Uhr) das Thema Glück, so gut und so nah es geht, erschließen.

Im Auftrag der ARD, die vom 16. bis 22. November die Themenwoche zum Glück präsentiert, hat sich Engelke die passenden Menschen ausgesucht. Die glücklichen wolle sie fragen, wie sie das machen, die unglücklichen, was sie tun, um ihr Leben zu verändern, erklärt Engelke, die als eine Art „Presenter“ durch ihre Reportage führt und dabei konsequent und fast ohne Scheu auf die Menschen zugeht. Nur bei ihrer ersten Station, so räumt sie gleich ein, habe sie mächtig „Bammel“ gehabt: In der Kinderkrebsstation in einem Essener Klinikum, „weil ich nicht weiß, wie man mit denen spricht.“

Da ist zum Beispiel Sarah - ihr wurde gerade ein Tumor aus dem Bauch entfernt. Ihr fehlen der Magen und die Milz. Sie müsse aber kämpfen und „für meine Eltern stark sein“, sagt Sarah unerschrocken, furchtlos und beneidenswert ruhig. Ein Vierteljahr später trifft Engelke das Mädchen im Schwimmbad wieder. Sarah ist geheilt, trägt eine lange Narbe und einen Bikini, keinen Badeanzug etwa. Sie ist glücklich, zeigen zu dürfen, dass sie den Krebs besiegt hat.

Anders ergeht es dem kleinen Tobi. Als Engelke das erste Mal im Krankenhaus ist, begegnet sie dem Jungen, der unter Leukämie leidet, im Flur und jongliert mit ihm Bälle. „Ich bin glücklich, wenn es meiner Familie gut geht und ich zu Hause bin“, definiert Tobi sein Verhältnis zum Glück. Kein Wunder: Rund 500 Nächte hat er bereits in der Klinik verbracht. Einige Wochen später erleidet Tobi einen Rückschlag. Die Ärzte geben ihm keine Chance mehr. „Für manche ist das Leben schneller vorbei, für manche nicht“, resümiert der tapfere Junge. Nach Abschluss der Dreharbeiten stirbt Tobi.

Dann hört und sieht der TV-Zuschauer Anke Engelke plötzlich „Yesterday“ von den Beatles singen, beim Spaziergang zusammen mit dem Musikwissenschaftler Gunter Kreutz. „Wenn man gemeinsam singt, verbindet das, weil man weiß, was in dem anderen vorgeht“, erklärt Kreutz. Also gründet Engelke mit dem Musiker Max Weise den „Chor der Muffeligen“. Es bewerben sich zum Beispiel ein Mann, der lange seine Kinder nicht sehen konnte, und eine schwer kranke Frau. Am Ende stehen ein Auftritt in der Philharmonie Köln an und die Erkenntnis, dass das Singen Menschen zusammengebracht hat, die jetzt mehr lachen können als früher.

Beim Singen entschwindet Engelke in eine Art Traumsequenz und sitzt plötzlich Dr. Manfred Lütz, Facharzt für Nervenheilkunde, gegenüber, der schon optisch sehr stark an das klassische Genre-Vorbild Sigmund Freud erinnert. „Sehr auffällig“, konstatiert der Arzt. „Sehr auffällig, Sie sind Schauspielerin, Sie leben von der Fassade, Sie kümmern sich um das Thema Glück - und beides deutet daraufhin, dass sie im Grunde ein unglücklicher Mensch sind!“ Die kleine Engelke-Nabelschau lässt erahnen, dass auch die Reporterin sich zuweilen Gedanken um ihr Seelenheil macht.

Und dann wäre da noch das alte Ehepaar Margit und Roland Meisewinkel. Seit 60 Jahren verheiratet! Beide wissen: Sie sind ihre erste und letzte Liebe. Spätestens hier weiß jeder, was Glück heißt. Ob Engelke das TV-Publikum auch künftig mit TV-Reportagen glücklich machen wird, ist noch offen: Darüber sei noch keine Entscheidung gefallen, heißt es vom zuständigen Westdeutschen Rundfunk (WDR).

dpa

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