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Wenn Schwitzen das Leben bestimmt
Bei großer Hitze schwitzt jeder Mensch, der Körper reguliert dadurch seine Temperatur. Auch wer Sport treibt, schwitzt vermehrt. Wer aber sehr plötzlich zu schwitzen beginnt, auch wenn es kühl ist und er sich nicht körperlich betätigt, könnte an krankhaftem Schwitzen, der sogenannten Hyperhidrose leiden.
"Der Leidensdruck bei Hyperhidrose-Patienten kann sehr groß sein. Viele Betroffene ziehen sich sozial zurück, und leiden an einer Stigmatisierung im beruflichen und privaten Umfeld", erklärt Markus Meissner, Dermatologe am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main.
"Man unterscheidet primäres von sekundärem Schwitzen. Dem primären Schwitzen, das besonders häufig die Hände, Füße und Achselhöhlen betrifft, liegt keine Erkrankung oder ein besonderer äußerer Einfluss zugrunde.
Bei dem sekundären Schwitzen hingegen findet sich ein Auslöser wie die Wechseljahre der Frau, Schilddrüsenerkrankungen oder in seltenen Fällen auch ein Tumor.
Vor einer Behandlung der Hyperhidrose sollten solche sekundären Ursachen ausgeschlossen werden", erklärt Meissner. Liegt primäres Schwitzen vor, gibt es eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten, von Deodorants über Medikamente bis hin zu operativen Eingriffen.
"Man beginnt eine Behandlung meistens mit einer nebenwirkungsarmen Lokaltherapie", sagt der Experte. Freiverkäufliche Antitranspirantien sind die erste Möglichkeit. In den meisten Fällen sind aber stärkere, verschreibungspflichtige Rezepturen mit einer höheren Konzentration an Aluminiumsalzen erforderlich.
"Der Hautarzt kann spezifische Salben mit 10 bis 20 Prozent Aluminiumsalzen rezeptieren, was ein Vielfaches der Dosis ist, die man bei den meisten freikäuflichen Antitranspirantien findet." Bei einem Großteil der Patienten reicht diese lokale Therapie aus. Bringt sie keine Besserung, besteht die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung mit sogenannten Anticholinergika.
Diese reduzieren das Schwitzen meist effektiv, haben allerdings auch gelegentlich Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Schwindel oder Sehstörungen. Für eine Dauertherapie verwendet Meissner sie deshalb ungern. Allerdings kann die gezielte Einnahme vor besonders wichtigen Ereignissen wie einem Vorstellungsgespräch sinnvoll sein. Die Wirkung tritt schnell ein, danach kann das Medikament wieder abgesetzt werden.
Eine weitere Option ist die sogenannte Leitungswasser-Iontophorese. Dabei werden die betroffenen Körperteile in Leitungswasser getaucht und durch diese Körperteile ein niedriger Gleichstrom geleitet. Abhängig von der Stromstärke kann es an Händen und Füßen ziehen oder kribbeln.
Die Therapie sei aber ansonsten nebenwirkungsarm und bei vielen Betroffenen effektiv, berichtet Meissner. Patienten müssen allerdings Zeit mitbringen, denn anfangs muss die Behandlung drei- bis viermal pro Woche für eine halbe Stunde durchgeführt werden, im weiteren Verlauf reicht oft einmal pro Woche aus.
Botulinumtoxin (kurz Botox) eignet sich dem Facharzt zufolge ebenfalls sehr gut zur Therapie der Hyperhidrose. Das Nervengift bewirkt, dass die Drüsen keinen oder wesentlich weniger Schweiß produzieren. Allerdings ist die Behandlung teuer und wirkt im Durchschnitt nur ungefähr für sechs bis neun Monate. Danach muss die Therapie, die häufig von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen wird, wiederholt werden.
"70 Prozent der Patienten kommen mit Beschwerden im Achselhöhlenbereich", sagt Meissner, "sind alle konservativen Möglichkeiten ohne Erfolg, stehen in diesem Areal verschiedene chirurgische Möglichkeiten zur Verfügung."
Bei der sogenannten Schweißdrüsenexzision wird in der Achselhöhle ein Teil der schweißdrüsentragenden Haut herausgeschnitten und auch die angrenzenden Areale unter der Haut von Schweißdrüsen befreit. Danach wird die Haut wieder vernäht. "Nachteile sind der größere chirurgische Aufwand, die längere Wundheilung sowie das Risiko von Vernarbungen."
Weitere Behandlungsmöglichkeit: Die subkutane Saugkürettage. Dabei werden im Bereich der Achselhöhle zwei bis drei kleine Schnitte von einem halben Zentimeter gemacht und eine Kanüle eingeführt, mit der der Arzt die Schweißdrüsen unter der Haut abschaben und absaugen kann. "Das Prinzip ist dem Fettabsaugen sehr ähnlich und unterscheidet sich primär durch die anders aufgebaute Kanüle", erläutert Meissner.
Die Schweißdrüsensaugkürettage kann in vielen Fällen ambulant durchgeführt werden und hat weniger Nebenwirkungen als eine Exzision. Die Erfolgsrate liegt bei 80 bis 90 Prozent.
DAPD
07.07.2010 | An den Anfang der Seite
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