Yvonne und Ernst: Liebeshöhle bleibt leer

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Die Liebeshöhle bleibt leer.

Zangberg - Bulle Ernst wartet und wartet und wartet...auf die entlaufene Waldkuh Yvonne. Jetzt ruft er sie schon.

Der ehemalige Zuchtstier Ernst hat die abtrünnige Kuh Yvonne gerufen - gekommen ist sie jedoch bisher nicht. Der elfjährige Galloway-Ochse vom Gnadenhof Gut Aiderbichl soll die scheue Kuh aus dem Wald bei Zangberg im Landkreis Mühldorf am Inn locken, wo sie seit Wochen im Unterholz abgetaucht ist. “Ernst weiß, dass sich ein Artgenosse im Wald aufhält und deswegen ruft er“, sagte Aiderbichl-Gründer Michael Aufhauser am Donnerstag. “Es ist ein Rufen, in dem sich ein sanftes Brunftsignal verbirgt. Auch wenn er kastriert ist - seine Sehnsucht nach weiblichen Artgenossen ist ihm geblieben“, glaubt Aufhauser.

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Der Gnadenhof-Gründer fürchtet inzwischen um Yvonnes Gesundheit. Denn seit es nicht mehr so viel regne, könne es sein, dass sie nicht genug zum saufen findet und austrocknet. 60 bis 120 Liter Wasser brauche eine Kuh, sagt Aufhauser. Vielleicht könnte der Durst Yvonne zu Ernst treiben. “Der Stier könnte ihr zeigen, wo es Wasser gibt“, meint Aufhauser. “Wenn ich mich schwach fühle, suche ich einen Artgenossen, der weiterhilft.“ Bis Yvonne eingefangen werden kann, könne aber noch Zeit vergehen. “Wir müssen uns auf einen längeren Prozess einstellen.“ Alle drei Wochen werde sie “stierig“ und könne sich noch mehr für den kastrierten Ernst interessieren.

Nun müsse vor allem Stille einkehren, damit die Kuh aus Österreich sich zu Ernst und dem eigens unter einem roten Zeltdach vorbereiteten Strohbett samt Wasser und Futter traue. “Wir rufen alle auf, die Yvonne schätzen und lieben“, sagte Aufhauser. “Wir müssen zusammenhalten, vom Schwammerlsucher bis zum Journalisten - wir müssen Yvonne Ruhe geben.“

Auch im Landratsamt will man keine großangelegte Suchaktion im Wald mehr haben. “Wir gehen konform, dass der Hype der letzten Tage ein Ende haben muss. Es muss Ruhe einkehren“, sagt Erich Kozel, Fachbereichsleiter öffentliche Sicherheit und Ordnung. Am Wochenende waren Dutzende Helfer mit den Aiderbichlern durch den Wald gestreift und hatten die Kuh gesucht, die einmal knapp vor ihren Verfolgern war. Was blieb, waren ein paar Hufspuren und ein verschwommenes Handyfoto von Yvonnes Hintern bei Nacht.

Die Menschen in Zangberg nehmen den Rummel gelassen. “Ich bin froh, dass die Jagdpächter mit dem notwendigen Verständnis reagieren. Auch bei den Grundeigentümern und der Bevölkerung in Zangberg hab ich noch nicht ein böses Wort gehört“, sagt Kozel. Er hatte angeordnet, dass die Kuh aus Sicherheitsgründen abgeschossen werden darf. Solange Yvonne nicht auf die Straße läuft, soll sie jedoch nicht getötet werden. An der Staatsstraße wurden Blinklichter und Warnschilder aufgestellt und die Geschwindigkeit von 100 Kilometern in der Stunde auf 30 reduziert. “Wir haben seitens des Landratsamtes alles getan, was getan werden muss für die öffentliche Sicherheit.“

dpa

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