„Jugend forscht“

Preise für Nachwuchs-Forscher vergeben

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Den ersten Platz machte Felix Baier (21) aus München in der Kategorie Biologie. Er beschäftigte sich mit Schlangen.

Osnabrück - Beim Finale des 44. „Jugend forscht“-Wettbewerbs waren die besten Ideen der Nachwuchs-Forscher zu sehen.

Hoch theoretisch oder von bestechender Praxisnähe: Die brillantesten Ideen deutscher Nachwuchs-Forscher waren am Wochenende beim Finale des 44. Bundeswettbewerbs “Jugend forscht“ in Osnabrück zu sehen. Viele Arbeiten bestachen durch Ideenreichtum und Originalität, einige begeisterten die Jury und auch die Besucher.

Anna Scharr und Thea Riebe aus Elmenhorst in Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel kamen auf die Idee, Akupunktur an Pflanzen auszuprobieren. Dabei stellten die beiden 18-Jährigen fest, dass die Pflanzen nach dem Einsatz von Nadeln größer und widerstandsfähiger wurden und mehr Blüten bekamen: “Sie können das sicherlich auch im Garten ausprobieren“, sagte Thea Riebe. “Aber wir dachten mehr an eine Immununterstützung oder Ertragssteigerung.“

“Meine Oma findet's gut“

Trotz ihrer praxisnahen Idee gingen die beiden leer aus, am Ende konnte es in der Osnabrücker Stadthalle nur 38 Preise geben. Maximilian Reif aus dem bayerischen Stadtbergen schaffte den dritten Platz im Fachgebiet Mathematik/Informatik: “Mein Opa hat Alzheimer. Er geht leicht verloren“, schilderte der 14-Jährige den Hintergrund seiner Arbeit. “Mit dem X-Finder kann man ihn schnell wieder finden.“ Bei diesem Gerät handelt es sich um eine Art elektronischen Schutzengel: eine Software für GPS-Handys, mit der ein ebenfalls mit einem solchen Handy ausgestatteter Mensch zu lokalisieren ist. “Meine Oma findet's gut und will es anwenden“, berichtete der Jugendliche. Nützlich könne der X-Finder aber auch zum Orten entlaufener Haustiere sein. Bestimmt gebe es bald erschwingliche Hundehalsbänder mit GPS, meint Reif.

Hartz IV im Praxistest

Unter mehr als 10.000 Anmeldungen für “Jugend forscht“ hatten sich 107 Projekte von 200 Mädchen und Jungen, jungen Frauen und Männern qualifiziert. Unter den Preisträgern sind Henriette Brykczynski - bis zu ihrem Geburtstag am Samstag erst elf Jahre alt - und Celina Dorrmann (13) aus Berlin: Die beiden jüngsten Teilnehmerinnen des Wettbewerbs hatten an Henriettes Familie getestet, ob sich eine vierköpfige Familie vom Hartz-IV-Regelsatz von knapp 14 Euro am Tag gesund ernähren kann. Ihr Ergebnis: Kinder bis zehn Jahren kommen gesund durch, wenn Familien auf soziale oder kulturelle Aktivitäten verzichten. Ab elf Jahren reiche das Geld aber nicht mehr. Um das zu ändern, müsse der Regelsatz für Kinder angehoben werden, so die Schlussfolgerung der Mädchen.

Ein Beispiel für junge Forschung, die Laien kaum noch nachvollziehen können, lieferte Friedrich Martin Schneider, ein 19 Jahre alte Student aus dem brandenburgischen Guben, der mit einem ersten Preis in Mathematik/Informatik - dem mit 19 Projekten stärksten Fachgebiet - ausgezeichnet wurde. Der Titel seiner Arbeit: “Schwache Homomorphismen zwischen Funktor-Algebren“. Gefragt, ob er dies in einfachen Worten erklären könne, meinte er, seine Erkenntnisse führten zwar zu recht vielen speziellen Anwendungen. “Aber so ganz auf einen einfachen Nenner herunter brechen kann ich das jetzt nicht.“ Die Jury wusste jedenfalls, wie es gemeint war und lobte an seiner Arbeit “das außergewöhnlich tiefe Verständnis für Mathematik“.

Hilfe für Ärzte beim Spritzensetzen

An “vorderster Front der Forschung“ sieht die Jury Raphael Errani aus dem niedersächsischen Neuenkirchen: Er konnte die Entstehung eines Rings aus Dunkler Materie in der Milchstraße durch Gravitation erklären. Errani erhielt den Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit - schon sein zweiter Bundessieg. Für einen besonders originellen Ansatz ging der Preis der Bundeskanzlerin an Steffen Strobel aus Seeshaupt in Bayern: Mit seinem Infrarot-System sowie einer Software lassen sich Venen in Echtzeit auf einem Bildschirm darstellen. Das System wendet sich an Ärzte, die Spritzen setzen müssen, aber Venen oft nur schwer finden. Einige Kinderärzte hätten sich das System an seinem Stand schon zeigen lassen, freute sich der 20-Jährige.

Lokalisierung von Asteroiden und Schrott

Für manche Jung-Forscher ist der Weg in die Wissenschaft fast vorgezeichnet: So haben Lennart Schlieder und Julian Petrasch aus Berlin schon Anfragen vom Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie Kontakte zu führenden Forschungseinrichtungen auf ihrem Sektor. Ihre Methode zur Bestimmung von Asteoriden-Positionen im Weltall war der Jury den ersten Platz in Geo- und Raumwissenschaften wert. Diese Methode verbessere die Genauigkeit des Standardverfahrens um 40 Prozent, hieß es in der Festveranstaltung. Mit ihrer Hilfe ließen sich Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde früh erkennen, “aber auch Weltraumschrott lokalisieren und Satelliten genau ausrichten“, erklärte Petrasch. Das wollten die Spezialisten vom DLR jetzt erproben.

AP

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