Hitzegewitter

Unwetter: Bahnchaos zwischen Berlin und Hamburg

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Ein umgestürzter Baum hat ein Auto eingeklemmt.

Düsseldorf - Bäume stürzen auf die Gleise: Die schweren Unwetter über Deutschland behindern nun auch im Osten Deutschlands den Bahnverkehr.

Die Fernverkehrsstrecke Hamburg-Berlin wurde am Mittag bis Betriebsschluss gesperrt, weil umgestürzte Bäume von den Gleisen geholt werden mussten, wie die Bahn mitteilte. Die Züge fuhren stattdessen über Stendal, Reisende waren deshalb deutlich länger unterwegs.

Für drei Stunden war auch die Schnellfahrstrecke Berlin-Hannover am Mittwoch nach einem Blitzeinschlag gesperrt. Auch mehrere Regionalverkehrsstrecken in Brandenburg waren betroffen.

Unwetter richtet 100 Millionen Euro Schaden an

Tief „Ela“ hat mit seinem Gewittersturm in Nordrhein-Westfalen nach übereinstimmenden Angaben von Versicherern Schäden in Höhe von mindestens 100 Millionen Euro angerichtet.

Dies sei eine realistische Größenordnung, sagten Sprecher mehrerer Versicherungen, die nicht genannt werden wollten. Beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft hieß es, konkrete Zahlen lägen erst in einigen Wochen vor. Ähnlich hatte sich der weltgrößte Rückversicherer Munich Re geäußert.

Am Dienstag hatte die Provinzial die Schäden bei ihren Versicherten im Rheinland auf mehr als 20 Millionen Euro beziffert. Am Mittwoch wurde für Westfalen ein Betrag von 15 Millionen genannt.

Aufräumarbeiten gehen weiter

Unterdessen gehen die Aufräumarbeiten an Rhein und Ruhr am Mittwoch weiter. Die Schäden sind so umfangreich, dass weiterhin mit erheblichen Beeinträchtigungen auf Straßen und Schienen gerechnet werden muss. Die Fernverkehrsstrecken Hannover-Berlin und Hamburg-Berlin sind seit Mittwochmittag wegen umgestürzter Bäume unterbrochen, wie die Bahn in Berlin mitteilte. Die Züge werden umgeleitet, Fahrgäste müssten mit längeren Fahrzeiten rechnen.

Auch regionale Zugverbindungen und S-Bahnen waren weiter stark beeinträchtigt. Die Bahn informiert auf ihrer Internetseite über den aktuellen Stand der Sperrungen. In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf, die mit am stärksten betroffen war, wird die Straßenbahn wohl noch mehrere Tage nicht planmäßig fahren können.

17.000 Einsätze für Feuerwehr und Polizei

Bis Dienstagnachmittag waren Feuerwehr und Polizei in NRW zu etwa 17.000 Einsätzen ausgerückt, wie das Landesinnenministerium mitteilte. Landesweit waren 14 000 Helfer der Feuerwehr, der Hilfsorganisationen und des Technischen Hilfswerks im Einsatz. Sechs Menschen waren bei den Hitzegewittern am Montagabend ums Leben gekommen, 67 Menschen wurden verletzt.

In mehreren Städten warnen die Behörden weiterhin vor herunterstürzenden Ästen. Vor allem das Betreten von Wäldern sei gefährlich, in Mönchengladbach und Neuss bleiben die Friedhöfe zunächst geschlossen. An zahlreichen Schulen fällt der Unterricht aus. Betroffen ist vor allem das Ruhrgebiet.

Neue Unwetter - Wetterdienst warnt weiter

Derweil sorgten am Dienstagabend neue Unwetter in einigen Regionen Deutschlands für weitere Schäden. Im Sauerland ergoss sich Wasser in ein Schulzentrum, weil Hagelkörner Fenster auf dem Dach zerstört hatten. Im Süden Niedersachsens und im Norden Hessens brachten Gewitter Überschwemmungen mit sich. Nach Angaben der Feuerwehr in Kassel lief der Keller des Bundessozialgerichts voll. In einem Krankenhaus mussten Patienten verlegt werden, weil Wasser in die Klinik eingedrungen war. Teilweise fiel der Strom in der Stadt aus.

Auch im niedersächsischen Göttingen wurden nach Angaben der Polizei Bahnunterführungen und zahlreiche Keller überflutet. Bäume stürzten auf Häuser und Autos. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht. Auf der Autobahn 7 habe es wohl aufgrund des heftigen Regens einen Unfall gegeben, bei dem der Fahrer aber mit einem Schock davongekommen sei.

Schweres Unwetter wütet über Norddeutschland

Schweres Unwetter wütet über Norddeutschland

In Osthessen wurde ein Lokführer verletzt, als ein Triebwagen zwischen Wallenrod und Hergersdorf gegen einen Baum fuhr, der auf die Gleise gestürzt war. Nach Angaben der Feuerwehr in Kassel lief der Keller des Bundessozialgerichts voll - das Gericht muss den Betrieb bis voraussichtlich Freitag einstellen. In einem Krankenhaus mussten Patienten verlegt werden, weil Wasser eingedrungen war. Teilweise fiel der Strom in der Stadt aus. Auch Unterführungen und Tiefgaragen wurden überschwemmt, so dass Autos bis zum Dach unter Wasser standen. Gullideckel wurden durch den Druck wie Korken aus dem Boden gedrückt. „Das war schon ein außergewöhnliches Unwetter“, sagte ein Sprecher der Polizei.

dpa

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