Gewalttat auf Juist

Totschlag am Strand - Mann (24) verurteilt 

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Der 24-jährige Patrick S. wurde wegen Totschlags verurteilt.

Aurich - Für die Urlaubsinsel Juist war der Tod einer jungen Frau im Sommer 2013 ein Schock. Das Landgericht Aurich hat die Gewalttat aufgerollt. Und am Dienstag ein Urteil gesprochen.

Spaß in der Disko, eine laue Sommernacht und vielleicht ein Flirt am Strand: Für zwei junge Aushilfskräfte auf der Ferieninsel Juist hätte der Abend ganz harmlos verlaufen können. Doch aus nie ganz zu klärenden Umständen kommt es am 25. Juli 2013 nach Zärtlichkeiten im Strandkorb zu einem Gewaltausbruch. Nach einem heftigen Streit schlägt ein 24-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen auf die junge Frau aus dem Harz ein. Er würgt und stranguliert sie mit einem Halstuch. Im Todeskampf liegt die 23-Jährige mit dem Gesicht im Sand und erstickt daran.

Zwei Urlauberinnen finden die mit Sand bedeckte Leiche neben dem Strandkorb. Das erste Verbrechen nach mehr als 30 Jahren erschüttert die idyllische Ferieninsel mit rund 1700 Bewohnern.

War das Mord, war das eine besonders grausame oder geplante Tat? „Nein“, urteilt Richter Wolfgang Gronewold vom Landgericht im ostfriesischen Aurich. Fast zwei Stunden nimmt er sich am Dienstag Zeit, um das Urteil des Schwurgerichts bis ins letzte Detail zu begründen. Wegen Totschlags muss der geständige Angeklagte für sieben Jahre und neun Monate in Haft.

Täter und Opfer haben aus Sicht von Gronewold ähnliche Träume, doch die Lebenswege verlaufen völlig unterschiedlich: Der 24-Jährige scheitert mit seiner Ausbildung zum Koch. Nun will er auf der Insel einen neuen Anlauf starten. Geld verdienen als Aushilfskellner, verreisen - vielleicht nach Kanada. Doch er hat ein großes Problem: Seit dem 16. Lebensjahr trinkt der schmächtige und schüchtern wirkende Mann zunehmend Alkohol. „Dann baggert er Frauen an und nervt“, so schildern es Zeugen vor Gericht.

Auch die junge Frau aus dem Harz hat Träume. Die Psychologiestudentin jobbt in den Ferien in der Inselbäckerei und spart für eine Fernreise. Ihre Eltern und ihre Geschwister können es kaum aushalten, als der Angeklagte seine Version der Tatnacht schildert. Danach kommt es im Strandkorb zu Zärtlichkeiten und mehr. Doch angeblich lacht sie ihn wegen seiner Erektionsstörungen aus, beschimpft und schlägt ihn.

Das Gericht hält das für eine Schutzbehauptung des Angeklagten, um von seiner Verantwortung abzulenken. Er habe sie gewürgt und ihren Kopf in den Sand gedrückt. „Auch ein Betrunkener muss erkennen, dass dies sehr gefährlich ist“, sagt Gronewold. Es sei ein Streit aus nichtigem Anlass gewesen, auch wenn es für eine derartige Tat nie eine Rechtfertigung geben könne. Der Angeklagte habe völlig die Kontrolle über die Situation verloren.

Das Gericht spricht der Familie des Opfers 15.000 Schmerzensgeld zu. Die Studentin habe Todesangst und Schmerzen erlitten. „Das war kein schneller Tod“, sagt Gronewold und wendet sich an die Angehörigen: „Das ist für Sie jetzt nicht das Ende, es wird noch lange weitergehen.“

dpa

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