Studie: Jugendliche sehen kaum Perspektiven

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Kaum Berufs-Perspektiven sehen Jugendliche in Deutschland.

Berlin - Jugendliche blicken pessimistisch in die Zukunft: Sie erwarten nach Schulende  nur Arbeiten mit niedriger Qualifikation auszuüben.  Das ergab eine UNICEF-Studie.

In der Dimension Bildung und Ausbildung sahen die Autoren trotz Fortschritten auch Besorgnis erregende Trends. So erwarten knapp 25 Prozent, dass sie nach Beendigung der Schule und der Ausbildung nur Arbeiten mit niedriger Qualifikation ausüben werden.

Insgesamt konnte sich Deutschland sich zwar im Vergleich zu 2007 um drei Plätze auf Platz acht verbessern und belegt damit einen guten Mittelplatz, in den Bereichen “Materielles Wohlbefinden“ und Gesundheit ist es jedoch unterdurchschnittlich.

Den ersten Platz unter 21 Nationen belegten erneut die Niederlande. Hinter dem Mittelplatz für Deutschland “verbergen sich deutliche Defizite“, erklärte Geschäftsführerin Regine Stachelhaus von UNICEF Deutschland. “Der Armutsdruck ist gerade für Alleinerziehende dramatisch. Sie werden von der Politik bisher nicht erreicht.“

Jugendliche fühlen sich allein gelassen

Besorgniserregend sei, dass Jugendliche hierzulande ihre beruflichen Perspektiven düsterer sehen als in allen anderen Industrienationen. Sie berichten häufiger davon, sich allein gelassen und als Außenseiter zu fühlen.

Als “erfreulich“ ermittelten die Forscher dagegen, dass der Anteil der Kinder, die die Schule nach eigenen Angaben “sehr gerne“ mögen, mit 36 Prozent überdurchschnittlich hoch lag. Zwtl: “Pass auf, dass Du nicht scheiterst!“ Einer der Autoren der Studie, Hans Bertram von der Humboldt-Universität, erklärte, bei amerikanischen Jugendlichen komme trotz deutlich ungünstigerer materieller Bedingungen die Botschaft an: “Du kannst es schaffen!“

UNICEF-Studie: Deutschen Kinder geht es nur mittelprächtig.

“In Deutschland vermitteln wir vor allem mögliche Gefahren. Nach

dem Motto: Pass auf, dass Du nicht scheiterst!“ Bertram und Koautor Steffen Kohl haben das Wohlbefinden der Kinder in 21 Industrieländern anhand von sechs Dimensionen verglichen: materielles Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Bildung und Ausbildung, Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen, Verhaltensrisiken sowie subjektives Wohlbefinden. Danach hat sich Deutschland in den Dimensionen Bildung, Beziehungen zu Gleichaltrigen und Familie sowie Verhalten und Risiken verbessert. Bei Gesundheit und Sicherheit belegt Deutschland Platz elf. Defizite gibt es weiter hinsichtlich der Säuglingssterblichkeit, des Geburtsgewichts der Kinder und der Impfrate. In der Dimension Bildung und Ausbildung sahen die Autoren trotz Fortschritten auch Besorgnis erregende Trends. So erwarten knapp 25 Prozent, dass sie nach Beendigung der Schule und der Ausbildung nur Arbeiten mit niedriger Qualifikation ausüben werden. In den USA, die im Gesamtvergleich ganz hinten liegen, haben nur neun Prozent eine so pessimistische Erwartung hinsichtlich ihrer Zukunftschancen.

Deutschland auf dem letzten Platz

Deutschland liegt hier auf dem letzten Platz aller untersuchten Industrieländer. Rund zwölf Prozent der Jugendlichen im Alter von 13 und 15 Jahren in Deutschland leiden an Übergewicht und Bewegungsmangel. Zwtl: Nicht nur nach Leistungsfähigkeit beurteilen Das UN-Kinderhilfswerk appellierte an Bundesregierung, Länder und Kommunen, das Wohlbefinden und die Rechte der Kinder zum Maßstab ihrer politischen Entscheidungen zu machen. Kinder dürften nicht nur aus der Perspektive ihrer Leistungsfähigkeit beurteilt werden.

Ihr Selbstvertrauen und ihre Rechte müssen grundlegend gestärkt werden, am besten durch Verankerung im Grundgesetz. “Der Kampf gegen Kinderarmut in Deutschland muss gezielt verstärkt werden“, forderte UNICEF. Mehr müsse auch getan werden, um die Gesundheit der Kinder zu fördern. Um dem internationalen Problem übergewichtiger Kinder zu begegnen, müssten Sport und Bewegung sowie ausgewogene Ernährung einen höheren Stellenwert erhalten. Medien, Politik und Elternhäuser sollten sich konsequenter gegen Rauchen und Alkoholkonsum positionieren.

ap

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