Germanwings-Absturz: Ärger um angebliches Handy-Video

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Der Staatsanwalt Brice Robin hat Berichte über ein Video, dass die letzten Augenblicke aus der Germanwings-Maschine zeigt, dementiert.

Seyne-les-Alpes/Marseille - Die französische Justiz hat die Herausgabe eines Videos gefordert, das die letzten Sekunden im Inneren der in den französischen Alpen abgestürzten Germanwings-Maschine zeigen soll.

Ärger um angebliches Handy-Video vom Germanwings-Absturz

Bei den Ermittlungen zum Germanwings-Absturz sorgt ein angebliches Handy-Video mit den letzten Augenblicken an Bord für Ärger: Die Staatsanwaltschaft in Marseille forderte am Mittwoch die sofortige Herausgabe des Videos, das auf einem Speicherchip am Absturzort gefunden worden sein soll. Fragen warf auch das Eingeständnis der Lufthansa auf, dass sie schon 2009 über eine Depression des Copiloten informiert gewesen sei.

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Die "Bild"-Zeitung und das französische Magazin "Paris Match" berichteten über das Video, das im hinteren Teil des Airbus A320 kurz vor dem Unglück aufgenommen worden sein soll. Einzelne Menschen seien nicht zu erkennen, es seien aber "Oh, mein Gott"-Rufe in mehreren Sprachen zu hören, berichtete "Paris Match". Die Aufnahmen seien stark verwackelt. Gefunden wurde das Speichermedium laut "Bild" von jemandem aus dem "Kreis der Ermittler".

Ein Vertreter der französischen Gendarmerie nannte die Berichte gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN "vollkommen falsch". Die Ermittler hätten die am Absturzort gefundenen Handys noch nicht ausgewertet. Der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, erklärte seinerseits: "Wenn eine Person ein solches Video besitzen sollte, muss sie es umgehend den Ermittlern übergeben." Derzeit liege den Ermittlern kein Video vor, das den Absturz zeige. Ein Journalist von "Paris Match" erklärte, das Video nicht zu besitzen, es aber gesehen zu haben.

Der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings war am Dienstag vergangener Woche in den südlichen französischen Alpen zerschellt. Alle 150 Menschen an Bord starben. Der deutsche Copilot Andreas L. steht im Verdacht, die Maschine absichtlich gegen eine Bergwand gesteuert zu haben. Das Motiv ist unklar, doch soll der 27-Jährige wegen schwerer Depressionen mit Suizidgefahr früher in Behandlung gewesen sein. Am Tag des Unglücks war er laut Staatsanwaltschaft Düsseldorf krankgeschrieben.

Germanwings-Absturz: Chronologie der Ereignisse

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Der Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa hatte am Dienstagabend eingeräumt, dass der damalige Flugschüler Andreas L. 2009 die Verkehrsfliegerschule per E-Mail über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert habe. Gleichzeitig betonte das Unternehmen, der Copilot habe zum Zeitpunkt des Germanwings-Absturzes "ein voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1" besessen.

Nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" war in der Pilotenlizenz, nicht aber im Tauglichkeitszeugnis des Copiloten ein sogenannter SIC-Vermerk zu einer schweren Erkrankung eingetragen. Der Flugarzt müsse dem bei der jährlichen Routine-Untersuchung besondere Aufmerksamkeit schenken. Bei dieser Untersuchung müsse der Pilot auch seine Lizenz vorlegen.

Das Bundesverkehrsministerium in Berlin wollte zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage treffen, ob Änderungen bei der Überprüfung von Piloten nötig seien. Eine Sprecherin sagte, jetzt würden die Erkenntnisse zusammengetragen und dann entschieden, ob Änderungen nötig seien.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann besuchten derweil den Unglücksort in den französischen Alpen. Spohr dankte im Ort Le Vernet allen Helfern und versprach den Familien der Opfer ausdrücklich, dass die Fluggesellschaft ihnen "so lange helfen" werde wie nötig. Zuvor hatten Spohr und Winkelmann an einer Gedenkstätte in Le Vernet einen Kranz niedergelegt. Fragen von Journalisten wollten beide nicht beantworten.

Die französische Gendarmerie hatte am Dienstagabend die Bergung der Absturzopfer für abgeschlossen erklärt. Am Mittwoch sollten Gebirgsjäger die persönlichen Gegenstände der Opfer bergen. Auch die Suche nach dem Flugdatenschreiber der Maschine ging am Mittwoch weiter. Die 150 Opfer des Unglücks könnten nach den Worten von Frankreichs Staatschef François Hollande bis Ende der Woche anhand von DNA-Proben identifiziert werden.

Im nordrhein-westfälischen Haltern, aus dem 16 Schüler und zwei Lehrerinnen stammten, die in der Unglücksmaschine saßen, sollte am späten Nachmittag ein Trauergottesdienst für die Opfer stattfinden.

AFP

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