Staat soll Folgekosten von Schönheits-OP zahlen

Kassel - Wenn ein Arzt eine Schönheits-OP durchführt, die als strafbare vorsätzliche Körperverletzung zu werten ist, muss der Staat für die Folgekosten des Opfers aufkommen. Das hat ein Gericht entschieden.

Kunstfehler bei Schönheitsoperationen können im Einzelfall Opferentschädigungsansprüche nach sich ziehen. Ein Patient sei als Gewaltopfer anzusehen, wenn der ärztliche Eingriff eine strafbare vorsätzliche Körperverletzung darstelle, die “in keiner Weise dem Wohle des Patienten“ gedient habe, urteilte das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel am Donnerstag. Im verhandelten Rechtsstreit hatte sich die heute 55-jährige Klägerin aus Aachen von einem Gynäkologen zweimal Fett absaugen lassen. Nach dem zweiten Eingriff musste sie wegen Komplikationen notärztlich im Krankenhaus behandelt werden. Wie das Gericht nun feststellte, hatte der Gynäkologe die Patientin nicht über die für sie lebensgefährlichen Operationen oder über mögliche Gesundheitsfolgen informiert.

Dabei hatte die Frau an erheblichem Übergewicht, an einer Herz- und Lungenschwäche, Bluthochdruck, einer Darmerkrankung und an Diabetes gelitten. Wäre sie über die Risiken aufgeklärt worden, hätte sie sich nie operieren lassen, hatte die Klägerin erklärt. Seit den Schönheits-OPs leidet die 55-Jährige an Narbenbildung, die möglicherweise eine Folgebehandlung nötig machen. Bereits das Landessozialgericht hatte festgestellt, dass der Arzt die OPs allein aus finanziellen Motiven durchführen wollte. Das Landgericht Aachen hatte den Arzt im Jahr 2002 zudem zu einer fünfjährigen Haftstrafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt. Neben den zwei Operationen bei der Klägerin hatte er noch weitere 46 rechtswidrige Eingriffe bei anderen Patienten durchgeführt.

OPs als körperlicher Angriff zu werten

Beim Landschaftsverband Rheinland wollte die Klägerin als Gewaltopfer im Sinne des Opferentschädigungsgesetzes anerkannt werden. Entsprechend dem Gesetz solle der Staat für mögliche Folgebehandlungen oder weitere Gesundheitsschäden aufkommen. Der 9. Senat des BSG bestätigte diesen Anspruch. Der Vorsitzende Richter Helge Loytved sagte, hier hätten die OPs in keiner Weise dem Wohle des Patienten gedient. Sie seien vielmehr als körperlicher Angriff zu werten. Der Gynäkologe habe nur ans Geldverdienen gedacht und die Patientin deshalb nicht über mögliche Risiken aufgeklärt. Gesundheitliche Belange der 55-Jährigen seien hinten angestellt worden. Der Landschaftsverband Rheinland kündigte an, den Arzt bei möglichen Kosten für Folgebehandlungen in Regress zu nehmen. (Aktenzeichen: Bundessozialgericht B 9 VG 1/09 R)

DAPD

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