Mutmaßlicher Kindermörder

Silvio S.: Mutter berichtet von Geständnis am Frühstückstisch

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Silvio S. soll laut Anklage Mohamed entführt, missbraucht und umgebracht haben.

Potsdam - Silvio S. soll seinen Eltern die Ermordung des Flüchtlingsjungen Mohamed gestanden haben. Dem 33-Jährigen wird zudem die Ermordung des sechsjährigen Elias vorgeworfen.

Der mutmaßliche Kindermörder Silvio S. soll die Entführung des vierjährigen Mohamed am Frühstückstisch seiner Eltern unumwunden zugegeben haben. Entsprechende Schilderungen der Mutter zitierte am Montag der Polizeibeamte, der Silvio S. im vergangenen Oktober im Haus der Familie festgenommen hat. Der Beamte sagte im Potsdamer Prozess gegen den 33-Jährigen aus.

Die Mutter von S. habe ihren Sohn nach eigenen Worten auf einem Fahndungsbild erkannt, sagte der Dienstgruppenleiter. „Huch, was machst Du denn in der Zeitung?“, will die Mutter nach dem Wiedererkennen gesagt haben. Silvio S. soll sich nach der zitierten Aussage keinen Moment verteidigt haben. „Ich hab's gemacht. Ich hole noch Beweise“, soll er den Eltern gesagt haben.

Angeklagter Silvio S. soll Mohamed und Elias umgebracht haben

Silvio S. sei daraufhin im Auto weggefahren. Die Mutter rief bei der Polizei an. Der Beamte nahm Silvio S. bei dessen Rückkehr in Empfang. Vater und Mutter des Angeklagten haben in dem Prozess von ihrem Recht Gebrauch gemacht, die Aussage zu verweigern.

Laut Anklage hat Silvio S. Mohamed im Oktober entführt, missbraucht und schließlich aus Angst vor Entdeckung umgebracht. Zudem wird dem Wachmann aus Brandenburg die Entführung und Ermordung des sechsjährigen Elias aus Potsdam vorgeworfen. Dessen Eltern soll Silvio S. nach der Ermordung eine Trauerkarte geschickt haben.

Polizist berichtet: Vater sagte, "ihr macht uns den Teppich dreckig"

Der mutmaßliche Mörder des kleinen Mohamed hat sich kurz vor seiner Festnahme öffentlich über die Entführung des Flüchtlingskindes empört. „„Sowas müsste man eigentlich um die Ecke bringen“, hat er gesagt“, berichtete ein Videothekenbesitzer (45) am Montag im Prozess gegen Silvio S. am Landgericht Potsdam. „Ich sagte: „Es ist schon eine ganz schöne Sauerei.““

Zu diesem Zeitpunkt Mitte Oktober war noch nicht bekannt gewesen, dass Mohamed tot war. Das Gespräch sei auf das Thema gekommen, weil genau in dem Moment, in dem Silvio S. zur Kasse gekommen sei, grobkörnige Aufnahmen von Mohamed und seinem Entführer auf einem Bildschirm über der Theke flimmerten. Die Abendnachrichten begannen gerade, schilderte der Verleiher. „Ich habe ihn leider nicht erkannt.“ Es war der letzte Besuch des Kunden. Später waren schärfere Bilder einer Überwachungskamera veröffentlicht worden, S. wurde festgenommen.

Im Fahrzeug des Angeklagten: Fesseln, Elektroschocker, Chloroform

Bei dem Videothekenbesitzer hatte der Angeklagte in knapp einem Jahr fünf Filme ausgeliehen mit Titeln wie „Nackt, gefesselt und benutzt“. Sämtliche Videos seien Produktionen aus der Sado-Maso-Ecke gewesen. „Das ist definitiv sein Ding. Alles was mit Sado-Maso zu tun hat - Fesseln, Knebeln. Die letzten beiden waren das Schlimmste, was man legal ausleihen konnte.“ Dieses Urteil beziehe sich aber allein auf Titel und Cover, gesehen habe er die Werke nicht. „Die Ecke habe ich danach (Anmerkung der Redaktion: der Festnahme von S.) geschlossen.“

Das Gericht beschäftigte sich auch mit Fundstücken aus dem Auto des Angeklagten. Im Fahrzeug wurden etwa verschiedene Fesseln, ein Elektroschocker, Schlaftabletten, Chloroform und Kabelbinder sichergestellt. Im Kofferraum hatte in einer gelben Kunststoffwanne die Leiche Mohameds gelegen, die der Angeklagte zum Verdecken des Geruchs mit Katzenstreu überschüttet haben soll.

Vater von Silvio S. zu Polizisten: "Ihr macht unseren Teppich dreckig"

Die Polizisten erinnerten sich auch, wie irritierend das Verhalten des Vaters von Silvio S. bei der Festnahme seines Sohnes gewesen sei. „Der Vater saß im Sessel und sagte, er finde es komisch, dass so viel Polizei im Hause sei“, erinnerte sich einer der drei beteiligten Beamten. Ein Kollege (26) ergänzte: „Der Vater sagte: „Jetzt macht Ihr uns mit Euren schmutzigen Schuhen noch den Teppich dreckig.““

Die Mutter wirkte nach Erinnerung der eingesetzten Beamten traurig und sehr niedergeschlagen. Sie hatte die Polizei gerufen, weil sie den Sohn auf einem Fahndungsbild erkannt hatte. Als Erster war ein Dienstgruppenleiter (41) eingetroffen. Auch er sprach von einem kühlen Empfang. Der Vater habe gesagt: „Unser Sohn lebt sein Leben, wir unseres.“ Es habe kaltherzig geklungen.

Polizisten haben in der Wohnung des Angeklagten gruselige Entdeckungen gemacht. Ein Urteil in dem Prozess wird für Ende Juli erwartet.

dpa

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