RAF-Prozess: Glaubwürdigkeit von Buback-Zeugin erschüttert

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Die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker steht im Gerichtssaal des Oberlandesgerichts Stuttgart in Stuttgart-Stammheim (Archivbild).

Stuttgart - Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker ist die Glaubwürdigkeit einer für den Nebenkläger Michael Buback zentralen Zeugin schwer erschüttert worden.

Die Augenzeugin des Attentats auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback vom 7. April 1977 verwickelte sich am Donnerstag in ihrer Aussage vor dem Oberlandesgericht Stuttgart mehrfach in Widersprüche. Bundesanwalt Walter Hemberger betonte daraufhin, die Aussage der Frau sei durch Nachfragen “zerlegt“ worden und habe sich als “unhaltbar erwiesen“.

Die Bundesanwaltschaft warf der Zeugin vor, “teilweise gelogen“ und “die Unwahrheit gesagt“ zu haben. Auch Verteidiger Walter Venedey war der Ansicht, die Aussage habe “evidente Schwächen“ offenbart.

Die Frau, die das Tatgeschehen von ihrem Dienstgebäude aus rund 50 Metern Entfernung beobachtet hatte, hatte sich in ihrer Vernehmung am Tattag noch eher zurückhaltend über die Personen auf dem Tatmotorrad geäußert, von dem aus die tödlichen Schüsse auf Buback und seine beiden Begleiter abgegeben wurden. In früheren RAF-Prozessen zum Buback-Mord war sie nicht als Zeugin geladen worden. Sie hatte sich dann aber im Dezember 2008 an Michael Buback gewandt. Sie ist der Überzeugung, dass die Person auf dem Soziussitz eine “zierliche Person“, kleiner als 1,75 Meter und “von der Körperform her eine Frau“ gewesen sein könne. Außerdem sei die Person “einen Kopf kleiner als der Fahrer“ gewesen.

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Nebenkläger Michael Buback ist der Auffassung, dass Verena Becker die Todesschützin war, während es dafür aus Sicht der Bundesanwaltschaft keine hinreichenden Anhaltspunkte gibt. Die Bundesanwaltschaft hält Becker lediglich für eine Mittäterin. Als am Donnerstag deutlich wurde, dass die Augenzeugin ihre Größenangaben unter anderem “anhand der Länge der Oberschenkel“ der Personen auf dem Motorrad berechnet hatte und vor allem aus der “Beweglichkeit“ der Person auf dem Soziussitz darauf schloss, dass es sich um eine Frau gehandelt haben könne, wurde dies mehrfach kritisch hinterfragt. Als die Zeugin auch bei anderen Beobachtungen frühere Angaben korrigierte und auf Widersprüche hingewiesen wurde, antwortete sie mehrfach lapidar: “Dann habe ich mich halt getäuscht.“

Am Ende ihrer mehr als zweistündigen Vernehmung sagte sie genervt, hier werde versucht, sie irrezuführen und ihr “die Unwahrheit nachzuweisen“. Verteidiger Hans Wolfgang Euler fragte die Zeugin etwa: “Könnte es sein, dass Sie die Sachen, die Sie hier erzählt haben, geträumt haben?“ Der Prozess wird am 18. November fortgesetzt.

dapd

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