Meisner: Türkei verletzt Religionsfreiheit

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Der Kölner Kardinal Joachim Meisner (75).

Köln - Kardinal Joachim Meisner (75) hat der Türkei eine “unwürdige Behandlung“ der Christen vorgeworfen.

Im südtürkischen Tarsus sei eine vorübergehend gelockerte Praxis für christliche Gottesdienste wieder aufgehoben worden. Damit gelte für die historische Pauluskirche wieder die gleiche eingeschränkte Praxis wie für alle Orte in der Türkei, in der gelegentlich christliche Gottesdienste erlaubt seien, kritisierte der Kölner Erzbischof am Freitag nach Angaben des Erzbistums. Wo die Religionsfreiheit so massiv eingeschränkt werde, müsse man sich auch ernsthaft um andere Menschenrechte sorgen, sagte er dem “Kölner Stadt-Anzeiger“ (Samstagausgabe). Die muslimische Verbände in Deutschland sollten klare Fürsprache für die Christen in der Türkei einlegen.

Nach Paulus-Jahr wieder Rückschritt

Noch vor vier Wochen hatte der apostolische Vikar für Anatolien, Bischof Luigi Padovese, erklärt, christliche Pilger dürften die Kirche im Süden des Landes auch über das internationale Paulus-Jahr hinaus für Gebete nutzen - die katholische Kirche hatte zur Erinnerung an den 2000. Geburtstag des Völkerapostels aus Tarsus im Juni 2008 ein Paulusjahr ausgerufen. Die Behörden in der Hauptstadt Ankara hätten die weitere Nutzung des Kirchengebäudes als ökumenisches Gotteshaus bis zu einer endgültigen Entscheidung erlaubt. Die aus dem 12. Jahrhundert stammende Kirche St. Paul am Geburtsort des Apostels Paulus war 1943 vom türkischen Staat konfisziert und über mehrere Jahrzehnte von der Armee als Lagerhaus genutzt worden. Vor dem Beginn des Paulus-Jahres war sie ein Museum.

Meisner sagte, nach Ablauf des Paulus-Jahres sei in Tarsus wieder alles beim Alten. Die Versprechungen von höchster Stelle bis in die lokale Ebene in der Türkei seien nicht eingehalten worden. Am 28. Juli sei den dortigen Ordensschwestern mitgeteilt worden, dass sie immer drei Tage vor einer geplanten Heiligen Messe um eine Genehmigung bitten müssten. Wer einen Gottesdienst feiern wolle, müsse Eintrittstickets kaufen. Sollte der Gottesdienst einen negativen Einfluss für die Besichtigung anderer Besucher haben, werde die Leitung des Museums die Eucharistie-Feier auf eine halbe Stunde verkürzen.

Großzügige Behandlung für Muslime in Deutschland

Der Kardinal betonte, dass Muslime in Deutschland - etwa beim Bau von Moscheen - eine großzügige Behandlung genießen. Deshalb sollten sie nun auch ein “deutliches und hörbares Zeichen“ in die Türkei senden.

dpa

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