Meisner-Nachfolger

Kardinal Woelki neuer Erzbischof von Köln

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Kardinal Rainer Maria Woelki.

Köln - „Wir sind Zeugen“ lautet sein Wahlspruch: Kölns künftiger Erzbischof Rainer Maria Woelki soll von der Berliner Diaspora auf eine der begehrtesten Positionen in der katholischen Weltkirche wechseln.

Mit dieser Karriere hatte Berlins Erzbischof wohl nicht gerechnet: Vom katholischen Kernland am Rhein in die Diaspora an die Spree - und jetzt wieder zurück nach Köln. Rainer Maria Woelki (57) soll nach drei Jahren in der Hauptstadt als Nachfolger des Kölner Kardinals Joachim Meisner in seine Heimat zurückkehren. Köln würde damit einen der inzwischen bekanntesten Kirchenmänner Deutschlands wiederbekommen, Berlin einen weltgewandten Kardinal verlieren. Woelkis Ernennung könnte schon am Freitag von Papst Franziskus in Rom verkündet werden.

Bei den Spekulationen über die Nachfolge an der Spitze des größten deutschen Bistums war Woelkis Namen nur selten gefallen. Auf der Vorschlagsliste des Domkapitels sollen die Bischöfe von Trier und Essen, Stephan Ackermann und Franz-Josef Overbeck, sowie der derzeitige Kölner Bistumsverwalter Stefan Heße gestanden haben.

Ob bei Scheidung, vorehelichem Sex, Verhütung oder Homosexualität: Nach den mehr als zwei Jahrzehnten mit dem Konservativen Meisner sehnten sich viele Katholiken in Köln nach frischem Wind und einer neuen Tonlage an der Spitze des Erzbistums. So ließe sich auch die Ernennung Woelkis erklären.

Seit seinem Antritt in Berlin im August 2011 absolvierte der Rheinländer einen Crash-Kurs in Sachen Multikulti-Gesellschaft. In einer Stadt, in der die Katholiken eine Minderheit sind und die meisten Menschen mit Religion kaum etwas am Hut haben, musste er sich ziemlich umstellen - mit Erfolg. Noch zuletzt wurde er als heißer Kandidat auf den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz gehandelt, einen Posten, der schließlich an den Münchner Kardinal Reinhard Marx ging.

Woelki gilt als ein Ziehsohn Meisners. 1990 wurde er dessen persönlicher Sekretär. Sieben Jahre stand der gebürtige Kölner an seiner Seite, dann wurde er Direktor des Bonner Collegium Albertinum, wo Priesterkandidaten ausgebildet werden. 2003 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Bischof ernannt, zuständig für die Seelsorge im Pastoralbezirk Nord, zu dem mit Düsseldorf und Wuppertal rund 850 000 Menschen gehören. Dann kam der Ruf nach Berlin.

Viel Zeit zum Einleben hatte Woelki in der Hauptstadt nicht. Kurz nach seinem Antritt kam Papst Benedikt XVI. nach Deutschland und feierte eine große Messe im Olympiastadion. Er musste die Organisation des Besuchs übernehmen und assistierte beim Gottesdienst.

Woelki spürte schnell die Gefühlslage der bunten Metropole auf. Er räumte die Vorbehalte gegen seine Ernennung aus dem Weg, etwa sein Studium an der Opus-Dei-Universität in Rom. Der Theologe hatte an der vom umstrittenen Laien- und Priesterorden geleiteten Santa Croce über die Rolle der Pfarreien promoviert. Darüber sprach er offen, wies aber eine Mitgliedschaft in der erzkonservativen Gemeinschaft zurück.

Auch seine verhältnismäßig liberale Haltung zur Homosexualität trug ihm den Respekt von Lesben und Schwulen in Berlin ein. Dennoch hielt Woelki auch immer an der reinen Lehre fest. Die katholische Kirche könne ihre Sexualmoral nicht einfach einer geänderten Lebenswirklichkeit anpassen. Sie müsse aber eine verständlichere Sprache für ihre Einstellung zur Sexualität finden, sagte der Kardinal in einem Interview.

Er habe immer ein „normaler Pastor“ sein wollen. „Nos sumus testes“ - Wir sind Zeugen, lautet Woelkis Wahlspruch. Der Kardinal zog nicht in die Erzbischöfliche Residenz im Zentrum der Hauptstadt, sondern in eine Wohnung im Arbeiterbezirk Wedding.

Wie im Wedding hatte Woelki schon in Köln erlebt, dass der Glaube nicht mehr selbstverständlich zum Alltag vieler Menschen gehört. Die Christen würden immer weniger, die Säkularisierung schreite voran. Er sprach von einem „Entscheidungschristentum“.

Dennoch versuchte Woelki den rund 400 000 Katholiken im Berliner Erzbistum eine stärkere Stimme zu geben. Dazu gehört wohl auch der Plan, die Hedwigskathedrale für 40 Millionen Euro zum katholischen Wahrzeichen der Hauptstadt umzugestalten.

Aber der Bischof musste auch Kritik einstecken, etwa mit seinem Plan für ein radikales Sparprogramm für die Bistumsgemeinden. Laien befürchten einen Rückzug der Kirche aus der Fläche. Woelki stellte sich der Diskussion. Seine Berliner Erfahrungen könnten ihm dabei helfen, auch im katholischen Rheinland die Risse zwischen Kirchenspitze und katholischem Volk zu kitten.

dpa

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