Guttenberg warnt vor einseitiger Verurteilung der Kirche

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Stephanie zu Guttenberg, Aktivistin gegen Kindesmissbrauch, warnt vor einer einseitigen Verurteilung der Kirche.

Berlin - Vor einer einseitigen Verurteilung der katholischen Kirche in der Missbrauchsdebatte warnt die Ehefrau des Verteidigungsministers und Aktivistin gegen Kindesmissbrauch, Stephanie zu Guttenberg.

“Wir haben hier kein Kirchenproblem, wir haben ein Gesellschaftsproblem“, sagte die Präsidentin des privaten Vereins “Innocence in Danger“, der gegen sexuellen Kindesmissbrauch auch im Internet kämpft. Es sei falsch, den Fokus nur auf die katholische Kirche zu richten. Der schlimmste Missbrauch geschehe immer noch in den Kinderzimmern.

“Missbrauch ist nicht automatisch ein Problem von Lebenswegen oder religiöser Ausrichtung“, betonte zu Guttenberg. So sei der Großteil der Täter nicht dem Zölibat unterlegen. “Aber die Kirchen haben die zusätzliche Herausforderung, dass sie so hohe moralische Maßstäbe anlegen. Und wenn ich Moral predige, aber mich selbst nicht daran halte, fällt es natürlich härter auf mich zurück.“

Zu Guttenberg selbst hat früher eine katholische Schule besucht, Überschreitungen aber nach eigenen Angaben nie erlebt. “Ich war bei den Armen Schulschwestern in München. Missbrauch oder Gerüchte darüber sind mir nie zur Kenntnis gelangt. Allerdings war es kein Internat.“

Es wundert sie zunächst nicht, dass nun gerade auch aus Schulen, in denen Kinder übernachteten, Missbrauchsmeldungen laut würden, sagte zu Guttenberg. “Ohne fälschlich und pauschal alle Internate zu verurteilen oder zu verdächtigen, kann an diesen Orten durchaus eine heimische, familiäre Nähe entstehen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Täter diese Nähe suchen und sie ausnutzen. Und es gibt Menschen, die ihre Macht über Schutzbefohlene grausam missbrauchen.“

apn

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