Hinterbliebene empört

Germanwings-Absturz: Angehörige schreiben Wut-Brief an Lufthansa

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Frankfurt/Main - Nach einem Entschädigungsangebot der Lufthansa an die Hinterbliebenen der Germanwings-Katastrophe haben Angehörige der 18 getöteten Schüler aus Haltern am See einen Wut-Brief an Lufthansa-Chef Carsten Spohr geschrieben.

Schwere Vorwürfe gegen Carsten Spohr, den Chef der Lufthansa, stehen in dem Schreiben, das Hinterbliebene der getöteten Schüler und Lehrerinnen aus Haltern am See (NRW) gemeinsam verfasst haben. Der Anwalt der Angehörigen, der Luftrechtsexperte Elmar Giemulla, hat angekündigt, den Wut-Brief der enttäuschten Angehörigen im Laufe des Dienstags zu veröffentlichen.

Gegen den Lufthansa-Chef werden in dem Brief schwere Vorwürfe erhoben, wie die Bild berichtet. „Herr Gauck, Frau Merkel und Frau Kraft haben mit uns gesprochen. Sie nicht. Sie waren für Ihre Kunden da, nicht für uns. Eltern, die Sie persönlich zur Beisetzung ihres Kindes eingeladen haben, bekamen noch nicht einmal eine Antwort von Ihnen,“ heißt es in dem Schreiben an Spohr, so die Bild-Zeitung.

Verbittert, weil es keine Entschuldigung gab

Große Enttäuschung, Trauer und Verbitterung spricht auch aus den Zeilen, in denen das Fehlen einer Entschuldigung beklagt wird: „Wir hatten erwartet, irgendwann in diesen schweren Tagen eine Entschuldigung von der Lufthansa zu hören. Eine Entschuldigung dafür, dass von Ihrem medizinischen Dienst bei den Kontrollen der Aktenvermerk über die Vorerkrankung des Piloten nicht beachtet worden ist. Eine Entschuldigung dafür, dass die Lufthansa sich – anders als viele amerikanische Airlines – gegen ein ständiges Vier-Augen-Prinzip im Cockpit entschieden hatte. Eine Entschuldigung dafür, dass bei mehr Sorgfalt beim Umgang mit solchen Risiken unsere Kinder vielleicht noch am Leben wären. Nichts davon haben wir gehört.“  

Tief enttäuscht über Entschädigungsangebot

Gleichzeitig zeigen sich die Absender tief enttäuscht über die Entschädigung von 45.000 Euro, die die Lufthansa angeboten hat. Wörtlich heißt es: „Was Sie uns Eltern als Anerkennung unseres Leides angeboten haben, ist kein ,dafür geradestehen‘. Das Leben eines jeden unserer Kinder und unseren Schmerz mit fünfundvierzigtausend Euro zu bemessen, beleidigt uns und vor allem unsere Kinder zutiefst. Das ist der Betrag, den Sie persönlich jede Arbeitswoche von der Lufthansa als Gehalt bekommen. Jede Woche.“

Zahleiche weitere Punkte führen die Hinterbliebenen in dem Brief an Carsten Spohr auf, die ihre Enttäuschung und Verärgerung über das Vorgehen der Lufthansa nach dem Airbus-Absturz vom 24. März ausdrücken.

Lufthansa weist Vorwürfe von sich

Laut Bild-Zeitung gibt es von der Lufthansa bereits eine Reaktion auf den Wut-Brief. Unter anderem heißt es dabei zu den Vorwürfen gegen Spohr: „Vom 1. Tag an hat Herr Spohr zu seiner Verantwortung für das Unglück gestanden – und sich für das Leid, das die Katastrophe über die Familien gebracht hat, entschuldigt. Wir würden alles geben, das Unglück ungeschehen zu machen. Der Co-Pilot hat seine Ausbildung mehrere Monate aufgrund seiner Depressionen unterbrochen – und sie nach Überwindung seiner depressiven Phase fortgesetzt.“

Zu dem Vorwurf, dass der Airline-Chef nicht mit den Angehörigen gesprochen habe, sagt der Lufthansa-Sprecher laut Bild-Zeitung: „Herrn Spohr ist kein persönliches Einladungsschreiben für eine Beerdigung zugegangen. Herr Spohr hat mit vielen Familienmitgliedern persönlich gesprochen, aber er konnte nicht mit jedem einzelnen der über Tausend Angehörigen sprechen.“

Auch auf die Frage der Entschädigung geht die Lufthansa demnach ein und stellt fest: „Lufthansa geht deutlich über das hinaus, was gesetzlich vorgeschrieben ist. 50.000 Euro gab es an Soforthilfe, 25.000 Euro Schmerzensgeld und mindestens 10.000 Euro für nähere Verwandte."

Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März fordert 150 Todesopfer  

Bei dem Absturz der Germanwings-Maschine auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf waren am 24. März alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Den Ermittlungen zufolge hatte der Copilot den Airbus absichtlich in den französischen Alpen abstürzen lassen. Unter den Opfern waren auch 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus dem nordrhein-westfälischen Haltern.

js

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