43 Fälle seit Jahresbeginn

Millionenschäden durch Geldautomaten-Sprengungen

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Blick auf einen gesprengten Geldautomaten der Sparkasse in Mönchengladbach-Venn (Nordrhein-Westfalen).

Düsseldorf - Eine Serie von Geldautomaten-Explosionen in Nordrhein-Westfalen hat in diesem Jahr bereits Schäden in Höhe von mehreren Millionen Euro angerichtet.

Es knallt, die Druckwelle lässt Fensterscheiben bersten und kurz darauf heult ein PS-starker Motor auf. In der Nacht, zwischen 2.00 und 5.00 Uhr, schlagen sie zu. Manchmal vergehen nur Minuten bis zur nächsten Detonation, manchmal passiert nächtelang nichts. Nordrhein-Westfalen wird seit Monaten von mehreren Banden heimgesucht, die reihenweise Geldautomaten in die Luft jagen, um an das Bargeld zu kommen. „Wir haben bereits Schäden in Höhe von mehreren Millionen Euro“, sagt eine Sprecherin des Landeskriminalamts (LKA) in Düsseldorf.

Den Ermittlern zufolge kommen die Gangster meistens aus den Niederlanden und schlagen besonders oft im Grenzgebiet zu. Welche Geldbeträge sie erbeuten, ist ein gut gehütetes Geheimnis von Polizei und Banken. Man möchte keine Anreize schaffen. Für die Täter scheinen die Beträge jedenfalls Anreiz genug.

Dass sich nun die Sonderkommission „Heat“ im Landeskriminalamt an ihre Fersen geheftet hat, scheint sie nicht zu beeindrucken - ihre Aktivitäten haben seitdem eher zugenommen. 43 Fälle zählen die nordrhein-westfälischen Ermittler bislang in diesem Jahr. Bundesweit waren es nach Angaben des Bundeskriminalamts (bis 10. November) 63 Fälle - nach 116 im gesamten Vorjahr. Der Schwerpunkt liegt damit deutlich im bevölkerungsreichsten Bundesland.

„Die Täter sind nie länger als fünf Minuten am Tatort“, berichtet die LKA-Sprecherin. In dieser Zeit haben sie den Geldautomaten präpariert, ein Gasgemisch eingeleitet, zur Explosion gebracht und aus in den Trümmern das Bargeld mitgenommen. Bei der Schwere der Detonationen und Gebäudeschäden sei es „pures Glück“, dass noch niemand verletzt wurde.

Acht Taten konnten aufgeklärt werden - eine Serie von Geldautomaten in Baumärkten, auf die sich eine Bande aus Osteuropa spezialisiert hatte. Zwei Männer wurden festgenommen, drei sind flüchtig.

Eine weitere Bande hätte die Polizei beinahe auch noch erwischt: Doch als Polizisten Anfang September einen dunklen Audi in Düsseldorf kontrollieren wollten, ließ der die Streifenwagen alt aussehen: Mit über 250 Stundenkilometern jagte die Limousine davon. Mindestens 21 Streifenwagen konnten sie nicht stoppen. Sogar der Polizei-Hubschrauber wurde abgehängt.

Über sieben Autobahnen rasten die Flüchtenden durch das westliche Ruhrgebiet in die Niederlande. Als wollten sie die Polizei verhöhnen, stoppten sie zwischendurch, um ihren Wagen aufzutanken.

Die CDU-Opposition im Düsseldorfer Landtag greift den nordrhein-westfälischen Innenminister Ralf Jäger (SPD) wegen der Tatserie an. Doch der will sich auf kein Wettrüsten für die nächste Verfolgungsjagd einlassen. Die am Montag vorgestellten neuen Streifenwagen für Nordrhein-Westfalen schaffen gerade Tempo 210.

„Wir müssen den Tätern den Anreiz nehmen“, sagt Jäger der Deutschen Presse-Agentur. „Warum kommen die denn zu uns? Weil die Banken in Belgien und den Niederlanden inzwischen ihre Automaten mit Farbkartuschen ausgerüstet haben. Ich hoffe, dass die hiesigen Banken das schnell nachholen.“ Tatsächlich waren ähnliche Serien in den Niederlanden und Belgien abgeebbt, seit Farbpatronen die Beute einfärben und damit unbrauchbar machen.

Einige Geldhäuser am Niederrhein sind dazu übergegangen, nachts ihre Vorräume abzuschließen und den Zugang zu den Automaten so zu versperren. Der Chef des Geldautomaten-Herstellers Wincor-Nixdorf, Eckard Heidloff, setzt auf Stahl und Beton: Das Problem der Gasattacken könne man lösen. Es komme nur darauf an, wie viel Geld man investiere, um die Automaten zu verstärken.

dpa

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