Gedenkgottesdienst für Tsunami-Opfer

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Agnieszka Schejok hielt eine bewegende Ansprache

Düsseldorf - Angespannt steht Agnieszka Schejok in der Düsseldorfer Johanneskirche, atmet einmal tief durch und erzählt dann von der schwersten Zeit ihres Lebens.

Genau fünf Jahre ist es her, dass tödliche Flutwellen auf die Küsten des Indischen Ozeans und vor allem auf Thailand, Sri Lanka und Indonesien trafen. Dabei starben rund 230.000 Menschen - darunter Schejoks 25-jähriger Bruder Adam. “Er war frisch verliebt und zum ersten Mal mit seiner Freundin vereist“, berichtet Agnieszka Schejok. Sie traf sich am zweiten Weihnachtstag mit rund 70 weiteren Angehörigen deutscher Opfer - ein bewegender Moment. Am Morgen der Katastrophe habe das junge Paar eigentlich aus dem thailändischen Khao Lak abreisen wollen, der Urlaub war beendet. Sie hatten ihre Koffer schon gepackt, vermutlich standen sie an der Rezeption ihres Hotels und warteten auf den Bus, der sie zum Flughafen bringen sollte. “Aber vor dem Bus kam die Welle“, sagt Agnieszka Schejok. In der Düsseldorfer Johanneskirche herrscht absolute Stille. Um die 33-jährige Agnieszka Schejok sitzen am Samstagmorgen rund 70 Verwandte und Freunde von vielen der 552 deutschen Flut-Opfer. Sie sind an den Weihnachtstagen zu einem Angehörigentreffen und einem zentralen Gedenkgottesdienst angereist. Alle teilen das gleiche Schicksal.

“Hoffnung und Panik wechselten sich ab“

“Hoffnung und Panik wechselten sich ab, als wir nichts von Adam hörten“, erinnert sich Agnieszka Schejok. “Das ging Wochen und Monate so. Aber nur seine Postkarte kam zu Hause an.“ Jetzt, fünf Jahre danach, sitzt die Trauer spürbar noch immer tief. “Es gibt Hinterbliebene, die haben ihr Leben wieder in den Griff bekommen und machen weiter. Für andere ist das nicht möglich“, sagt Jens Peter Iven, Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland, die das Projekt “Hoffen bis zuletzt“ betreut und zu diesem Gottesdienst geladen hatte. Bei “Hoffen bis zuletzt“ werden die Angehörigen seit der Flutkatastrophe von Seelsorgern, Psychologen und Sachverständigen unterstützt. “In den vergangenen vier Jahren haben wir die Angehörigen immer nach Phuket begleitet, aber inzwischen reisen nicht mehr so viele von ihnen nach Thailand“, berichtet Iven. Deshalb habe man nun erstmals in Deutschland eine solche Gedenkveranstaltung organisiert.

Freundschaften sind unter den Angehörigen entstanden

Während des Gottesdienstes, der musikalisch vom Jazz-Ensemble der Polizei NRW begleitet wird, werden die Namen von Opfern verlesen und Kerzen zur Erinnerung entzündet. Petra Bosse-Huber, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, die den Gottesdienst leitet, fasst die Gefühle der Hinterbliebenen zusammen: “An den verwüsteten Küsten des Ozeans wächst neues Grün. Viele äußere Wunden sind vernarbt und geheilt. Das Leben setzt sich fort. Aber innere Verletzungen und Verluste schmerzen weiter.“ “Immer wieder fragen meine Familie und ich mich: ,Warum er? Warum wir?'“, sagt Schejok. Diese Fragen würden nie beantwortet. “Aber ,Hoffen bis zuletzt' hat uns geholfen, das alles zu überstehen. Nach fünf Jahren fühlt sich der Schmerz anders an. Ich bin jetzt wieder in der Lage, mich an die schönen Momente zu erinnern.“ Dass sich die Katastrophe an Weihnachten ereignet habe, macht die Trauerarbeit nicht leichter. “Wer gerade an einem so symbolischen Tag wie dem 26. Dezember einen lieben Menschen verloren hat, dem ist nach Feiern erst mal gar nicht zumute“, sagt der Landespfarrer und Leiter der Notfallseelsorge Joachim Müller-Lange in seiner Predigt. “Aber es tut gut, sich an diesen Tagen mit anderen darüber auszutauschen“, sagt Agnieszka Schejok. Unter den Angehörigen seien in den letzten Jahren enge Freundschaften entstanden.

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