Folgen der Karambolage beseitigt - Trauer und Ermittlungen

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Nach der Massenkarambolage auf der A19 bei Kavelstorf in der Nähe von Rostock ist eine Betonfräse im Einsatz, um den beschädigten Fahrbahnbelag zu entfernen.

Rostock - Die sichtbaren Folgen der Massenkarambolage auf der A19 bei Rostock sind fast beseitigt. Normalität will sich dennoch nicht einstellen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Die acht Opfer der Massenkarambolage bei Rostock sind identifiziert, erst jetzt wird das ganze Ausmaß des Unglücks deutlich. Drei Frauen und fünf Männer kamen bei dem Inferno auf der Autobahn 19 Rostock-Berlin ums Leben. Sie seien in ihren Fahrzeugen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Rostock am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Die Anwaltschaft nahm Ermittlungen zur Unfallursache auf.

"Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung", sagte Staatsanwältin Maureen Wiechmann. Experten der Prüforganisation Dekra sollen klären, "ob Autofahrer angesichts der Sandwand zu schnell oder zu unvorsichtig gefahren sind". Noch am Freitag waren fünf Fahrzeuge an der Unfallstelle bei Kavelstorf beschlagnahmt worden. Laut Polizei waren am Freitagmittag 82 Fahrzeuge in einer Sandwolke bei Sichtweiten unter zehn Metern ineinandergerast und teilweise in Brand geraten. Bei dem Feuer brannten 40 Autos und vier Lastwagen aus, darunter auch ein Gefahrguttransporter, der im hinteren Abschnitt des Staus stand.

Massenkarambolage im Sandsturm auf A19: Viele Tote

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Das Flammeninferno ging nach Angaben der Feuerwehr von nur einem Pkw aus. "Das war ein Auto, das stand mittendrin und brannte", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr, Hannes Möller. Der starke Wind habe das Feuer auf benachbarte Wagen übergreifen lassen. Zur Höhe des Schadens konnte die Polizei auch am Sonntag noch keine Angaben machen.

Nach Angaben der Polizei war ein 34-jähriger Berliner jüngstes Todesopfer des Unfalls vom Freitag. Zu den ältesten Opfern gehöre eine 69-jährige Frau aus Sandersdorf-Brehna (Kreis Anhalt-Bitterfeld) in Sachsen-Anhalt. Zwei Opfer kamen aus Nordbrandenburg, vier aus dem mittleren Mecklenburg. 131 Menschen wurden verletzt, 21 waren am Sonntag noch in medizinischer Behandlung in den Kliniken. Ein Mann schwebte den Angaben zufolge noch in Lebensgefahr.

Insgesamt waren 300 Retter im Einsatz. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) dankte ihnen für ihren "unheimlich schweren Einsatz". Die Aufräumarbeiten an der Unglücksstelle waren nach Angaben der Autobahnmeisterei am Sonntag weitgehend abgeschlossen. Ein Schwerlastkran aus Rostock hob am Vormittag einen ausgebrannten Lastwagen aus dem Straßengraben. Allerdings sei die Bergung schwieriger gewesen als zunächst gedacht, sagte ein Mitarbeiter der Autobahnmeisterei. Die von den brennenden Autos angerichteten Straßenschäden seien aber weitgehend repariert worden.

Am Nachmittag sollte auch die Autobahn in Richtung Rostock wieder freigeben werden. Bereits am Samstag war nach dem Abtransport der Unfallautos und Fahrbahnreparaturen die Strecke Richtung Berlin vollständig freigegeben worden. Dort hatte es zwar auch eine Massenkarambolage gegeben, Feuer war aber nicht ausgebrochen.

Die Umweltorganisation BUND gab der Agrarindustrie eine Mitschuld am Entstehen des Sandsturms. Jahrelange Vernachlässigung der Bodenstruktur habe den Humusgehalt sinken lassen, zudem fehlten Hecken als Wind- und Staubbremsen. Der Bauernverband wandte sich gegen diese Darstellung und verwies auf die anhaltende Trockenheit. Dafür könne kein Landwirt etwas, sagte Landes- Bauernpräsident Rainer Tietböhl. Autobahnmeisterei und Meteorologen sprachen von einer "unglücklichen Verkettung von Zufällen".

An der Unfallstelle gab es kein Tempolimit. Landesverkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) verlangte eine Debatte über Geschwindigkeitsbegrenzungen. "Man kann nicht jeden Unfall durch Verkehrsregeln verhindern. Wir müssen aber darüber reden, ob und wie Tempolimits zu mehr Sicherheit beitragen können", erklärte er.

dpa

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