Nummernschild falsch notiert

Zahlendreher: Harmlose Familie unter Terror-Verdacht

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Polizisten patrouillieren am 28. Februar in der Innenstadt von Bremen, im Hintergrund ist der Dom zu sehen.

Bremen - Eine Familie ist versehentlich unter Terrorverdacht geraten. Der Grund war ein Zahlendreher eines Auto-Nummernschildes während des Anti-Terror-Einsatzes in Bremen vor zwei Wochen.

Die Familie war mehrere Stunden lang festgehalten worden. Wie Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Donnerstag mitteilte, hatten Beamte bei einer ersten Überprüfung des in der Innenstadt abgestelltes Wagens mit französischem Kennzeichen festgestellt, dass nach dem Halter mit dem Zusatz "Staatsgefährdung" europaweit gefahndet wurde.

Erst einige Stunden später habe sich herausgestellt, "dass sich beim Datenabgleich mit den französischen Behörden ein Zahlendreher eingeschlichen hat", erklärte der Innensenator. Tatsächlich habe gegen den Halter nichts vorgelegen. Mäurer äußerte sein Bedauern, warb aber um Verständnis für das Vorgehen der Einsatzkräfte.

Der Vorfall ereignete sich am 28. Februar, als sich die Polizei wegen ernstzunehmender Informationen über die Anwesenheit einer vierköpfigen bewaffneten Islamistengruppe aus Frankreich in höchster Alarmstimmung befand. Aus Sorge vor möglichen Anschlägen kontrollierten damals schwer bewaffnete Einsatzkräfte unter anderem das Umfeld von Wahrzeichen in der Bremer Innenstadt. Dabei fiel auch das Auto der Familie auf, die laut Medienberichten in Bremerhaven lebt und den Wagen eines in Frankreich lebenden Angehörigen benutzte.

Bei der Rückkehr der sechs erwachsenen, teils älteren Familienmitglieder zu ihrem geparkten Fahrzeug griffen Einsatzkräfte zu und nahmen diese in Gewahrsam. Das Auto wurde nach Sprengstoff und Waffen durchsucht. Der Fall wurde bekannt, nachdem die aus Syrien stammende, zur christlichen Glaubensgemeinschaft der Aramäer gehörende Familie einen Rechtsanwalt sowie Medien einschaltete.

Harmlose Familie aus Bremen beschwert sich

Die Familie legte nach Behördenangaben unter anderem Dienstaufsichtsbeschwerde ein. Sie behauptet, ihr sei während der Ingewahrsamnahme nicht gestattet worden, einen Rechtsanwalt zu kontaktieren.

Nach Angaben Mäurers untersucht die Innenrevision der Polizei jetzt die Vorwürfe. Zugleich verteidigte er das Vorgehen der Beamten. Das französische Auto sei in einem der laut Hinweisen anschlagsgefährdeten Bereiche abgestellt worden, zudem sei der vermeintliche Treffer aus dem Fahndungscomputer hinzugekommen. "Da passte einiges alarmierend zusammen", erklärte der Senator.

AFP

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