Ex-Heimleiter erneut wegen Missbrauch vor Gericht

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Der wegen Missbrauch angeklagte ehemalige Kinderheimleiter sitzt am Mittwoch (04.05.2011) zum Prozessauftakt in einem Gerichtssaal im Landgericht Kaiserslautern.

Kaiserslautern - Er soll ihm anvertraute Mädchen sexuell missbraucht haben: Ein ehemaliger Kinderheimleiter steht in Kaiserslautern vor Gericht, und das bereits zum zweiten Mal. Er weist die Vorwürfe zurück.

Der frühere Leiter des Kinderheimes “Spatzennest“ im nordpfälzischen Ramsen hat den sexuellen Missbrauch von Heimkindern bestritten. Er wies am Mittwoch die Anschuldigungen vor dem Landgericht Kaiserslautern als “frei erfunden“ zurück. Der 43-Jährige soll laut Anklage zwischen 1994 und 2006 sechs Mädchen aus seinem Heim sexuell missbraucht haben. Zwei der sechs jungen Frauen, die alle als Nebenklägerinnen auftreten, waren beim Prozessauftakt im Saal und sichtlich um Fassung bemüht. Eine von ihnen verließ mit Tränen in den Augen den Raum, während Staatsanwältin Daniela Herzog die Anklage verlas.

Der Angeklagte soll sich in 22 Fällen an den heute 15 bis 23 Jahre alten Frauen vergangen haben, die im Tatzeitraum alle jünger als 14 Jahre waren. Als er dem Richter seine 38-seitige Erklärung vorliest, wirkt der Mann gefasst, manchmal versagt ihm aber die Stimme.

Laut Anklage soll er an den Kindern “sexuelle Handlungen vorgenommen“ haben, in manchen Fällen “dem Beischlaf ähnlich“. Staatsanwältin Herzog sagte, teilweise habe der Missbrauch “unter dem Vorwand einer medizinischen Notwendigkeit“ stattgefunden. Konkret soll er Mädchen unter anderem nackt fotografiert haben oder seinen Finger in deren Vagina eingeführt haben.

Der angeklagte Pädagoge sagte, die Vorwürfe seien “frei erfunden und entbehren sachlich jeder Grundlage“. Zu den, wie er sie nennt, “Spatzenkindern“ habe er eine sehr enge Beziehung gehabt. Sie hätten sich ihm auch in sexuellen Fragen immer anvertraut. An ein Eincremen des Intimbereichs eines Mädchens könne er sich nicht erinnern, er will es aber auch nicht ausschließen.

Der Prozess hat eine brisante Vorgeschichte: Drei der sechs Mädchen waren im Zusammenhang mit den sogenannten Wormser Missbrauchsprozessen ins “Spatzennest“ gekommen. In den Prozessen, die zwischen 1994 und 1997 für großes Aufsehen gesorgt hatten, waren 25 Verdächtige vom Vorwurf freigesprochen worden, 21 eigene oder verwandte Kinder missbraucht zu haben.

Außerdem wurde der 43-Jährige bereits 2008 in Kaiserslautern wegen sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt, weil er Mädchen am ganzen Körper eingecremt hatte. 2009 hatte sich dann eines der mutmaßlichen Opfer an die Ermittler gewandt und so ein neues Verfahren ins Rollen gebracht. Für den jetzigen Prozess sind bislang Verhandlungstermine bis 6. Juli geplant.

dpa

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