"Überzogen ehrgeizige" Mutter?

Erziehungs-Streit: Cellist tötet Ehefrau 

Bonn - Ihr gemeinsames Fach war die Musik - in der Erziehung ihres gemeinsamen Sohnes kamen sie jedoch nicht überein. Im Herbst soll ein Cellist seine Frau, eine Konzertpianistin, nach einem Streit getötet haben.

Schon lange währte der Ehestreit zwischen einem Cellisten und einer Pianistin. Immer wieder ging es dabei auch um die Erziehung des gemeinsamen Sohnes. Im Oktober vergangenen Jahres eskalierte die Auseinandersetzung schließlich - mit tödlichem Ausgang für die Frau. Seit Dienstag steht der 54-jährige Cellist vor dem Bonner Landgericht. Die Anklage wirft ihm Mord vor - er soll seine 50 Jahre alte Frau nach einem Streit erdrosselt haben.

Nach dem Streit im Oktober, so die Anklage, soll der Mann seine Ehefrau in den Schwitzkasten genommen und versucht haben, sie bewusstlos zu würgen. Als dies misslang, habe er mehrfach mit einem Metallstab auf ihren Kopf geschlagen. Nach weiteren Misshandlungen soll er ihr eine Plastiktüte über den Kopf gezogen haben, so dass sie schließlich erstickte. Zwei Tage später habe er die Leiche in einem Erdloch im Kreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) verscharrt, das er bereits im Sommer gegraben haben soll. Nach ein paar Tagen habe er dann seine Frau bei der Polizei als vermisst gemeldet.

Der Cellist ließ seine Verteidigerin eine Erklärung verlesen, in der er einräumt, seine Frau infolge „einer Eskalation eines Streites um den prinzipiellen Bestand der Ehe und den gemeinsamen Sohn“ getötet zu haben. Und dass er bereue. Bereits bei der Festnahme hatte er gestanden.

Ein Polizeibeamter als Zeuge gab an, dass das Verhältnis der Eheleute seit längerem sehr angespannt gewesen sei - und „wohl immer schlimmer“ wurde. Die beiden Musiker seien mit der Erziehung des 13-jährigen Sohnes nicht übereingekommen, dieser habe aufgrund „überzogenen Ehrgeizes“ seiner Mutter kaum Freizeit gehabt. Musik, Ballett, Tennis - „und überall sollte er der Beste sein“.

Zum Prozessauftakt äußert sich der Angeklagte nicht. Nur ein einziges Mal ist die Stimme des 54-Jährigen zu hören: als er die Richtigkeit seiner Personalien bejaht.

dpa

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