Der Schriftsteller starb 87-jährig

"Eine Epoche geht zu Ende": Reaktionen zum Tod von Günter Grass

Lübeck - Zum Tod von Günter Grass äußern sich viele Politiker und Prominente - vielfach auch im Netz. Eine Auswahl:

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte den Literaturnobelpreisträger, der am Montagmorgen 87-jährig in einer Lübecker Klinik gestorben war, als großen Autor und streitbaren politischen Geist. In einem Kondolenzschreiben betonte Gauck am Montag: „In seinen Romanen, Erzählungen und in seiner Lyrik finden sich die großen Hoffnungen und Irrtümer, die Ängste und Sehnsüchte ganzer Generationen.“ Grass sei zeitlebens ein eigenwilliger politischer Geist gewesen, der Auseinandersetzungen und Kritik nicht fürchtete und politische Debatten über Jahrzehnte wesentlich beeinflusste. „Sein Werk ist ein beeindruckender Spiegel unseres Landes und ein bleibender Teil seines literarischen und künstlerischen Erbes“, betonte Gauck nach Angaben des Präsidialamtes.

Sigmar Gabriel, SPD-Chef und Vizekanzler:

„Mit ihm verlieren wir einen der bedeutendsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsgeschichte und einen engagierten Autor und Kämpfer für Demokratie und Frieden." Grass könne als ein öffentlicher Intellektueller auf ein literarisch und politisch einzigartiges Leben zurückblicken. „Ohne seine mahnende Stimme für mehr Toleranz, seinen Willen zur Einmischung und seine regelmäßigen politischen Interventionen wäre unser Land ärmer. Die SPD verneigt sich vor Günter Grass.“

Der Steidl-Verlag twitterte:

Thomas Oppermann, Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion auf Twitter:

CDU-Vizechefin Julia Klöckner:

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag:

Tweet von Bündnis 90/Die Grünen:

FDP-Chef Christian Lindner:

Wolfgang Kubicki, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein, schrieb auf Facebook:

Mit Günter Grass ist einer der größten und zugleich streitbarsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsgeschichte von uns gegangen. Mit seinem breiten kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Engagement hat er die bundesrepublikanische Geschichte über viele Jahre mitgeprägt. Der freiheitliche Geist der Bundesrepublik wurde auch durch Intellektuelle wie Günter Grass mit Leben gefüllt. Der Nobelpreisträger hat im Laufe seines schriftstellerischen Schaffens bewiesen, dass ein gleichermaßen konsequentes wie konstruktives Gegen-den-Strich-Bürsten einer freiheitlichen Gesellschaft mehr dient als ein wohlgeformter Meinungsmainstream. Günter Grass wird auch in diesem Zusammenhang eine große Lücke in der Bundesrepublik – aber vor allem in Schleswig-Holstein – hinterlassen. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) auf Facebook:

Die neue Woche beginnt mit einer traurigen Nachricht. Mit Günter Grass geht ein großartiger und streitbarer Literat. Gerne erinnere ich mich an Veranstaltungen und Gespräche mit ihm.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD):

Thorsten Schäfer-Gümbel, Landesvorsitzender der hessischen SPD:

"Ich werde Grass vermissen"

Der ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertesz ließ am Montag in Budapest der Deutschen Presse-Agentur über seine Frau Magda mitteilen: „Wir haben uns nicht mit demselben Thema beschäftigt, aber wir waren Freunde und haben uns gegenseitig geschätzt."

Klaus Staeck, Präsident der Berliner Akademie der Künste:

„Mit Günter Grass verliert die Welt der Literatur einen wortmächtigen Autor und unsere Republik einen ihrer streitbarsten Mitbürger. Wenn er die Demokratie in Gefahr sah, ging er keiner notwendigen Auseinandersetzung aus dem Wege. Ich persönlich verliere in ihm einen Freund mit Haltung, auf den man sich sowohl politisch, als auch ganz praktisch stets verlassen konnte.“ Er werde Grass vermissen.

Joachim Lux, Intendant des Hamburger Thalia Theaters, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montag:

„Mit dem Tod von Siegfried Lenz und Günter Grass innerhalb kurzer Zeit geht eine ganze Epoche endgültig zu Ende - literarisch und auch politisch. Die letzten Zeitzeugen verstummen - siebzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs.“ Für das Thalia Theater sei es bei aller Trauer beglückend, das bedeutende literarische Vermächtnis von Lenz und Grass mit der „Deutschstunde“ und der „Blechtrommel“ wach halten zu können. Beide Bühnenfassungen der Romane waren in der laufenden Spielzeit am Thalia uraufgeführt worden. Bei der Premiere der „Blechtrommel“ am 29. März war auch Grass dabei. Grass habe damals auf der Bühne sichtlich bewegt den Applaus des Publikums entgegengenommen, erinnerte sich Lux. „Es war sein letzter öffentlicher Auftritt.“

Der Autor und Komiker Micky Beisenherz:

dpa

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