Blitz und Donner bei "Rock am Ring"

"Wir wurden gefragt, ob wir noch leben"

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33 Menschen wurden bei dem Unwetter verletzt.

Mendig - Nächtliche Gewitter schütteln „Rock am Ring“ bei seiner Premiere in Mendig ordentlich durch. Augenzeugen schildern das Geschehen dramatisch.

Am Morgen danach herrscht bei „Rock am Ring“ in Mendig schon wieder der normale Festival-Trott. Laute Musik dröhnt, vor den Wasserstellen stehen müde Rockfans an, es gibt Ravioli aus Dosen zum Frühstück. Doch an einigen Ecken des Geländes zeugen zerfetzte Pavillons, Zelte und Müllsäcke von den Geschehnissen der Nacht. Da sind heftige Unwetter über das riesige Areal mit seinen knapp 90 000 Besuchern gezogen, gleich drei Blitze schlugen ein, 33 Menschen erlitten Verletzungen. Viele Besucher beschreiben das Erlebte durchaus drastisch, aber sie feiern weiter.

Einer von ihnen ist Christoph Müller aus Köln. Sein Zelt auf einem Campingplatz hinter der Bühne ist noch völlig intakt, im Gegensatz zu manch anderer Behausung. Ganz in der Nähe ging wenige Stunden zuvor einer der Blitze nieder. „Es hat nachts richtig geschüttet, das war schon heftig“, sagt er. Die Veranstalter sprechen von gut 20 Litern Regen pro Quadratmeter.

„Es war so laut, dass man hier keine Musik mehr gehört hat“, beschreibt Christoph das Gewitter. Er sei zweimal rausgegangen und habe das Zelt, das er mit seiner Freundin teilt, fester gezurrt. „Morgens hatten wir tonnenweise Nachrichten auf dem Handy. Wir wurden gefragt, ob wir noch leben.“ Aber solch ein Wetter komme nun einmal vor, sagt er und lehnt sich in seinen Klappstuhl zurück.

Ähnlich sieht es Birgit aus der Nähe von Stuttgart, die ein paar Reihen weiter gemeinsam mit ihren Kindern ihr Zelt aufgeschlagen hat. „Es hat ordentlich vibriert und richtig gerummst“, erinnert sie sich. Angst habe sie aber keine gehabt. Am Morgen habe sie gesehen, dass einige Besucher abgereist seien, weil ihre Zelte kaputt waren. Einen Pavillon hat der Sturm bei Birgits Nachbarn zerstört. Zu ihnen zählt Kevin Mertens aus dem mittelhessischen Grünberg. Er schildert, wie das Unwetter direkt über das Areal gezogen sei, Blitz und Donner unmittelbar aufeinander gefolgt seien. „Wir haben einen neuen Pavillon gekauft und machen weiter.“

In der Eifel, wo „Rock am Ring“ schon vor dem Umzug vom Nürburgring nach Mendig zu Hause war, macht das Wetter den Fans also auch in diesem Jahr zu schaffen. Mit solch schlimmen Kapriolen mussten die rund 80 000 Besucher des Zwillingsfestivals „Rock im Park“ in Nürnberg am Samstag nicht kämpfen. Allerdings explodierte dort am Freitag auf einem Campingplatz eine Gaskartusche, vier Besucher wurden verletzt, einer davon schwer. Alle vier mussten ins Krankenhaus.

In Mendig läuft derweil am frühen Samstagnachmittag das Musikprogramm des zweiten Tages an. „Wessen Zelt steht denn noch?“, fragt eine Moderatorin auf einer Bühne die Fans. Viele Finger gehen nach oben. Parallel wird an vielen Ecken aufgeräumt und geputzt. Man helfe den Besuchern, wo es gehe, sagt Veranstalter Marek Lieberberg. Das Reinigungspersonal etwa sei aufgestockt worden.

Sogar die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) kommen am Samstag nach Mendig und informieren sich über die Lage. Sie loben die Arbeit der Rettungskräfte und zeigen sich erleichtert, dass es den mehr als 30 Verletzten da schon wieder besser geht. Lewentz, dessen vier Kinder auch auf dem Gelände waren, betont, das Rettungskonzept habe den „Echttest“ bestanden.

Und Lieberberg lobt auch den Elektro-Musiker Fritz Kalkbrenner, dessen Konzert wegen des Unwetters abgebrochen worden war. Er habe fantastisch reagiert. Der Künstler selbst twittert am frühen Samstagmorgen: „Show wegen Unwetter abgebrochen. Das erste Mal in meiner ganzen Zeit. Ich bin untröstlich!“ Das zieht bei dem Kurznachrichtendienst auch kritische Reaktionen nach sich. Kalkbrenner solle an die Verletzten denken, nicht an sich selbst, schreiben einige Fans.

dpa

33 Menschen bei Rock am Ring von Blitz verletzt

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