Nach Novartis-Rückruf

Neue Impfdosen gegen Grippe frei gegeben

Berlin - Nach dem Rückruf von Grippeimpfstoffen der Firma Novartis hat die Zulassungsbehörde den Weg für den Vertrieb von Mitteln anderer Hersteller freigemacht.

Nach dem Rückruf von Grippeimpfstoffen der Firma Novartis sind zur Abwendung von Engpässen Mittel anderer Hersteller freigegeben worden. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gab den Vertrieb von 620.000 bereits produzierten Impfdosen frei, wie eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums am Freitagabend der Nachrichtenagentur dapd in Berlin sagte. Während Ärzte und Apotheker einen Engpass bei Impfmitteln befürchteten, versuchten Behörden zu beschwichtigen. Eilig wurde ein Gespräch zwischen PEI, Herstellern und Krankenkassen angekündigt, um die Versorgung zu sichern.

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PEI-Präsident Klaus Cichutek beruhigte verunsicherte Patienten in Interviews und sagte, Chargen der Impfstoffe Begripal und Fluad seien bereits von der Firma Novartis aus dem Verkehr gezogen worden. Es bestehe keine Gefahr, dass Patienten mit den betroffenen Seren, die erhebliche Nebenwirkungen auslösen könnten, geimpft würden. Bisher sind keine Meldungen von Erkrankten bekannt. Woher die Ausflockungen in den Impfstoffen stammten, ist noch nicht geklärt.

Nach Angaben von Novartis wurden bereits eine Million Dosen Begripal und Fluad verabreicht - ohne, dass es unerwartete Nebenwirkungen gegeben habe. In Deutschland seien ungefähr 750.000 Impfstoffdosen zurückgerufen worden.

Ärzte und Apotheker warnen trotzdem vor Engpässen

Die Lücke der zurückgerufenen Impfstoffdosen kann nun durch am Freitag freigegebene Mittel geschlossen werden. Die 620.000 bereits produzierten Dosen stammten von den Herstellern GlaxoSmithKline und Abbott, sagte die Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Damit seien nun etwa 14 Millionen Impfdosen freigegeben und teils schon verabreicht.

Auch wenn das PEI die Befürchtungen vor einem Impfstoff-Engpass zu bremsen versuchte, warnten Ärzte- und Apothekerverbände genau davor. Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) drohten Engpässe zumindest in Teilen Deutschlands. KBV-Vorstand Regina Feldmann machte dafür Exklusivverträge verantwortlich, mit denen sich Krankenkassen an bestimmte Hersteller binden, um Rabatte zu erhalten. Die pharmazeutische Industrie wies alle Schuld von sich. Pharmafirmen, Krankenkassen und das zuständige PEI werden kommende Woche darüber beraten, wie sich ein Engpass vermeiden lässt.

dapd

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