Prüfung der Bilder

Ministerium: Keine Eile im Fall Gurlitt

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Gurlitts Erbe soll ans Kunstmuseum Bern gehen.

München/Bern - Seine Kunstsammlung soll in die Schweiz gehen, so hat es Cornelius Gurlitt verfügt. Das Kunstmuseum Bern würde Rückgabeansprüche für Raubkunst genau prüfen - wenn es das schwierige Erbe denn akzeptiert.

Der Stiftungsrat müsse entscheiden, ob die Erbschaft der millionenschweren Kunstsammlung tatsächlich akzeptiert werde. „Wir kennen die Sammlung bisher nur bruchstückhaft aus Medienberichten“, sagte Museumsdirektor Matthias Frehner am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. „Wir müssen sie also erst gründlich prüfen, um zu sehen, wie viele bedeutende Kunstwerke der Klassischen Moderne wirklich dabei sind.“

Für den Fall der Erbschaftsannahme wolle sich das Museum an die Bestimmungen der Washingtoner Erklärung zur Rückgabe von NS-Raubkunst halten und Rückgabeansprüche möglicherweise rechtmäßiger Besitzer prüfen, betonte Frehner. Die Schweiz hat - wie auch Deutschland - die Washingtoner Erklärung von 1998 unterschrieben. Die Staaten verpflichteten sich darin, Nazi-Raubkunst zu identifizieren, die rechtmäßigen Besitzer zu finden und die Werke entweder zurückzugeben oder eine „faire Lösung“ zu finden.

Der am Dienstag gestorbene Sammler Cornelius Gurlitt, der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, hatte überraschend das Schweizer Museum zum Alleinerben seiner umstrittenen Sammlung bestimmt, die deutsche Behörden Anfang 2012 beschlagnahmten. 1280 Bilder wurden damals in Gurlitts Wohnung in München-Schwabing gefunden. Die Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ geht von 458 Bildern unter NS-Raubkunstverdacht aus, Gurlitt und seine Anwälte sprachen stets von nur rund 40.

Ob alle Bilder aus der Sammlung im Fall der Fälle tatsächlich in die Schweiz ausgeführt werden dürfen, oder ob in einigen Fällen das Gesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes dagegen spricht, will das bayerische Kunstministerium prüfen. Es sieht dabei aber keine Eile. „Es gibt keinen Handlungszwang, weil die Bilder ohnehin auf ein Jahr verwahrt werden sollen“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Nazi-Raubkunst: Werke aus dem Gurlitt-Fund

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Nachdem bekanntwurde, dass Gurlitt seine umstrittene millionenschwere Sammlung dem Berner Museum und damit ins Ausland vermacht hat, kündigte das Ministerium an, Bilder aus der Sammlung auf ihre Bedeutung für das deutsche Kulturgut zu prüfen. Denn bei einer Ausfuhr der Sammlung in die Schweiz könnte das Gesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung (KultgSchG) greifen. Das Gesetz besagt, dass Werke, die im „Verzeichnis national wertvolles Kulturgut“ aufgelistet sind, bei Ausfuhr ins Ausland eine amtliche Genehmigung benötigen.

Sollten die Bilder in die Schweiz gehen, spräche das aber nicht gegen eine Ausstellung in Deutschland, betonte Frehner. Nach einer eigenen Schau mit Werken der Gurlitt-Sammlung wäre das Kunstmuseum Bern später zur Ausleihe an Museen in Deutschland und anderen Ländern bereit. „Im Testament gibt es keinerlei Auflagen, man könnte die Sammlung also auch im Ausland zeigen.“ Es gebe bereits eine Anfrage aus München. Um welche Kunstinstitution es sich handelt, wollte Frehner aber nicht sagen.

Gurlitts Anwälte veröffentlichten auf der eigens eingerichteten Internetseite zur Kunstsensation die Mitteilung zum Tod Gurlitts in deutscher und englischer Sprache - auf schwarzem Untergrund und mit einem Bild brennender Kerzen. Wann der Kunstsammler bestattet werden soll, dazu wollte sich sein Sprecher Stephan Holzinger nicht äußern. Nachdem eine Obduktion Fremdverschulden am Tod des schwer herzkranken 81-Jährigen ausgeschlossen hat, gab die Staatsanwaltschaft seinen Leichnam am Donnerstag frei.

dpa

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