100 000 Atomkraftgegner bilden Menschenkette

+
Die Menschenkette der Atomkraftgegner war 120 Kilometer lang. 

Geesthacht/Brunsbüttel - Rund 100 000 Atomkraftgegner haben am Samstag mit einer 120 Kilometer langen Menschenkette zwischen den Meilern Brunsbüttel und Krümmel gegen die deutsche Atompolitik demonstriert.

In die Proteste, die sich gegen eine Verlängerung der Laufzeiten der 17 Atommeiler in Deutschland richteten, reihten sich mit Sigmar Gabriel, Cem Özdemir und Klaus Ernst auch die Parteispitzen von SPD, Grünen und Linken ein. Die Menschenkette vom Kernkraftwerk Brunsbüttel über Brokdorf und Hamburg bis zum Atommeiler Krümmel (Geesthacht) war eine der größten Anti-Atom-Demonstrationen der vergangenen Jahre.

Die Teilnehmer kamen nach Angaben der Veranstalter mit drei Sonderzügen und 240 Bussen aus ganz Deutschland zu 124 Sammelpunkten. “Es gibt keine Renaissance der Atomkraft, es gibt eine Renaissance der Anti-Atom-Bewegung“, sagte Vorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, am Sonntag. Mit ihren Aktionen zwei Tage vor dem 24. Jahrestag des Reaktorunglücks von Tschernobyl an diesem Montag forderten die Atomkraftgegner zugleich, Krümmel und Brunsbüttel stillzulegen.

Beide Kraftwerke stehen nach mehreren Pannen seit 2007 fast ununterbrochen still. Betreiber Vattenfall rechnet nicht damit, dass sie noch 2010 wieder ans Netz gehen können.

Große Teile von FDP und CDU/CSU sowie die großen Energiekonzerne fordern, die Atomkraftwerke in Deutschland deutlich länger am Netz zu lassen als im Atomkonsens festgelegt. Möglicherweise kommt es statt wie bisher geplant bis 2022 erst bis zum Jahr 2050 zum kompletten Atomausstieg.

Die Organisatoren der Menschenkette, ein Bündnis von Anti-Atom-Initiativen, Umweltverbänden, Kirchen, Parteien und Gewerkschaften, planen bereits eine neue deutschlandweite Aktion im Oktober. “Wir lassen jetzt nicht mehr locker. Wenn die Bundesregierung an ihrem Atom-Kurs festhält, wird die neue Protestbewegung weiter zulegen“, sagte der Sprecher des Trägerkreises, Jochen Stay.

SPD-Chef Gabriel und die Grünen-Politiker Renate Künast und Jürgen Trittin übten bei der Menschenkette demonstrativ den Schulterschluss. Sie bekannten sich zum Atomausstieg, den Trittin als damaliger Umweltminister für die rot-grüne Bundesregierung mit der Wirtschaft ausgehandelt hatte. “Längere Laufzeiten für Kernkraftwerke sind arbeitspolitischer und energiepolitischer Wahnsinn“, sagte Gabriel. Sie würden Arbeitsplätze vernichten und den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland blockieren.

Auch vor dem Atommüllzwischenlager im nordrhein-westfälischen Ahaus demonstrierten rund 5000 Menschen. Mehr als 10 000 kamen ins hessische Biblis und bildeten eine Kette um das Gelände des Atomkraftwerks. Biblis Block A ist Deutschlands ältester noch laufender Atommeiler. Die Proteste, die den Charakter eines riesigen Straßenfestes hatten, verliefen friedlich.

Die Veranstalter der Proteste sprachen von bundesweit mehr als 140 000 Demonstranten, 120 000 davon bei der Menschenkette zwischen Brunsbüttel und Geesthacht.

dpa

Kommentare