Attentäter verletzt fünfzehn Menschen

Anschlag in Ansbach: Was wir wissen und was nicht

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Der Attentäter sprengte sich in der Innenstadt von Ansbach in die Luft.

Ansbach - Bei einem Anschlag in Ansbach sind am Sonntagabend fünfzehn Menschen verletzt worden. Das wissen wir, und das ist noch nicht bekannt. Die Fakten im Überblick.

Fünfzehn Verletzte, ein Toter und eine Stadt in Angst. So lautet die vorläufige traurige Bilanz eines Anschlages im fränkischen Ansbach am Sonntagabend. Ein Mann sprengte vor einem Musikfestival einen mit Sprengstoff beladenen Rucksack in die Luft, den er selber in seinen Händen hielt.

Wie lief der Anschlag zeitlich ab?

Vor einem der Zugänge des „Ansbach Open 2016“ sprengt am Sonntag gegen 22.00 ein Mann eine Bombe, fünfzehn Menschen werden verletzt, vier davon schwer. Der Mann wollte offensichtlich die Bombe mit scharfkantigen Metallteilen in seinem Rucksack am Konzertgelände mit etwa 2000 Besuchern zünden. Der Täter kam nicht auf das Gelände, weil er keine Eintrittskarte hatte. Allerdings wäre im Anschluss seine Tasche kontrolliert worden.

Die Festivalbesucher mussten das Gelände kurz nach der Explosion verlassen. Die Evakuierung lief ruhig und geordnet ab, in fünf Minuten soll das Gelände geräumt gewesen sein. 

Anschlag in Ansbach: Was ist über den Täter bekannt?

Bei dem beim Anschlag gestorbenen mutmaßlichen Attentäter handelt es sich laut Polizei um einen 27 Jahre alten Syrer. Der Mann war vor zwei Jahren als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Er reiste über Bulgarien und Österreich ein, wo er auch registriert wurde.

Da in Bulgarien bereits 2013 positiv über seinen Asylantrag entschieden wurde, wies man seinen Antrag in Deutschland zurück. Seitdem hatte er den Status eines Geduldeten. Eine Rückführung in seine Heimat war aufgrund des unsicheren Herkunftslandes nicht vorgesehen. Gemäß des Dublin-Abkommens sollte er nach Bulgarien abgeschoben werden. Am 13.07.2016 erhielt er einen Abschiebebescheid, bis welchen er bis 27.07.2016 hätte Klage einreichen können, was er jedoch nicht getan hat. Danach hätte er binnen 30 Tagen nach Bulgarien ausreisen müssen.

Der Täter ist nach Angaben eines Polizeisprechers vor Ort wiederbelebt worden. Er erlag jedoch dann seinen schweren Verletzungen, sagte der Sprecher. Der 27-Jährige sollte nach Bulgarien abgeschoben werden.

Der mutmaßliche Bombenattentäter von Ansbach ist nach Angaben der Polizei und des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) schon früher strafrechtlich in Erscheinung getreten. Er sei wiederholt auffällig geworden, unter anderem wegen eines Drogendelikts, sagte Herrmann in der Nacht zum Montag der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Details nannte die Polizei nicht.

Der 27-Jährige wohnte in einer Unterkunft in Ansbach, wie der Minister sagte. Der Syrer habe schon zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen. Er sei deshalb auch schon in einer psychiatrischen Klinik untergebracht gewesen.

Ansbach: Wie viele Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt?

Nach der Explosion sind fünfzehn Verletzte zu beklagen, vier von ihnen schwer, wie die Polizei am Montag Mittag mitteilte. Alle wurden in Kliniken gebracht. In Lebensgefahr schwebt niemand.

Hatte der Anschlag in Ansbach einen islamistischen Hintergrund?

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ging bereits am Montag Morgen von einem islamistischen Hintergrund aus. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Täters entdeckten die Ermittler zwei Handys, mehrere Sim-Karten und ein Laptop. Auf diesen fand man "Gewaltvideos mit islamistischer Ausrichtung und salafistischem Inhalt", erklärte Herrmann einige Stunden später.

In einem Video beziehe sich der Mann auf Abu Bakr al-Baghdadi, den Anführer der Terrormiliz IS, so Herrmann. Er kündigt einen Racheakt gegen Deutschland an, da die Deutschen sich dem Islam in den Weg stellen und Muslime umbringen würden. Der islamistische Bezug sei laut Herrmann "unzweifelhaft". Da die Videos auf arabisch sind, müssen diese aber noch weiter übersetzt werden. Außerdem wurden in der Wohnung des Täters weitere Materialien zum Bombenbau gefunden, wie Benzinkaninster, Salzsäure und Alkoholreiniger. Die Ermittlungen laufen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte währenddessen,weder ein islamistischer Hintergrund noch die Labilität des Täters oder eine Kombination aus beidem können derzeit als Tathintergrund ausgeschlossen werden.

Am späten Montag Nachmittag hat die Terrormiliz "Islamischer Staat" den Anschlag für sich reklamiert. "Er war ein Soldat des Islamischen Staates", teilte IS-Sprachrohr Amak am Montag im Internet mit. Der Attentäter von Ansbach habe die Tat als Antwort auf die Rufe des IS begangen, die Koalition zur Bekämpfung der Terrormiliz anzugreifen, hieß es in der Botschaft. Das IS-Sprachrohr berief sich dabei auf eine nicht näher genannte „Sicherheitsquelle“ der Terrormiliz.

Anschlag in Ansbach: Das wissen wir noch nicht

Handelte der Täter alleine, oder hatte er Komplizen? Die Ermittlungen der Polizei, der Staatsanwaltschaft und des bayerischen Landeskriminalamts laufen derzeit auf Hochtouren. Die Behauptungen der Terrormiliz "Islamischer Staat" werden noch von den Ermittlern geprüft.

Außerdem soll der Täter mehrere Facebook-Accounts betrieben haben. Auch seine Gesprächsverläufe bei WhatsApp müssen noch ausgewertet werden.

Die Ermittler prüfen auch, ob der Täter vor der Tat telefoniert hatte. Weiterhin wird überprüft, ob er eine Verbindung zum Militär hat, da in der Bombe Metallsplitter enthalten waren.

Ebenso ist noch nicht geklärt, ob es einen Zusammenhang mit dem Anschlag vom Sonntagabend und der Terrorattacke in einem Zug nach Würzburg eine Woche zuvor gibt.

Explosion in Ansbach: Syrer sprengt Bombe vor Festival - Bilder

bix mit dpa

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