Lüneburg

Angeklagter im Auschwitz-Prozess will erneut aussagen

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Im Lüneburger Auschwitz-Prozess will der angeklagte Oskar Gröning eine Erklärung abgeben. Der frühere SS-Mann muss sich wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 300.000 Fällen verantworten

Lüneburg - Bereits am ersten Tag im Auschwitz-Prozess vor dem Landgericht Lüneburg hatte der Angeklagte Oskar Gröning eine moralische Mitschuld übernommen. Jetzt hat er angekündigt, im Prozess eine Erklärung abgeben zu wollen.

Der frühere SS-Mann räumte ein, das Geld aus dem Gepäck der Verschleppten gezählt und nach Berlin weitergeleitet zu haben, was ihm den Beinamen „Buchhalter von Auschwitz“ einbrachte. Jetzt hat das Gericht eine „ergänzende Einlassung des Angeklagten“ für Mittwoch angekündigt. Nach Angaben der Verteidigung soll die Erklärung etwa 20 Minuten dauern. Gröning muss sich wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 300.000 Fällen im Sommer 1944 verantworten.

Nicht nur die Nebenkläger sind gespannt, was Gröning sagen wird. Der historische Sachverständige Stefan Hördler hatte erhebliche Zweifel an einigen seiner Aussagen geäußert. So hatte der 94-Jährige berichtet, während der Transporte aus Ungarn 1944 nur höchstens dreimal vertretungsweise Dienst an der Rampe des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau getan zu haben, um das zurückgelassene Gepäck der Verschleppten zu bewachen. Wegen seiner Beförderung zum Unterscharführer sei er vom Rampendienst eigentlich ausgenommen gewesen.

„Das halte ich für absolut unwahrscheinlich“, sagte Hördler als Gutachter dazu. Auch an den laut Gröning wiederholt gestellten Versetzungsgesuchen zweifelte er. Schon im Mai hatte Grönings Anwalt Hans Holtermann angekündigt, sein Mandant werde erneut zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Danach waren jedoch mehrfach Prozesstage wegen der angegriffenen Gesundheit des 94-Jährigen ausgefallen.

dpa

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