Auschwitz-Überlebende: "Skandal"

Zu alt: Verfahren gegen KZ-Wachleute eingestellt

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Das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz.

Oswiecim - Das Internationale Auschwitz-Komitee hat Berichte über die Einstellung von Justizverfahren gegen mutmaßliche Wachleute des ehemaligen Konzentrationslagers als „skandalös“ kritisiert.

„Offensichtlich ist der Mitleidbonus, der den "greisen" Tätern entgegengebracht wird, hoch“, sagte Christoph Heubner, Vize-Exekutivpräsident der Organisation von Überlebenden des deutschen Vernichtungslagers, am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. „Dieses jahrzehntelange juristische Versagen Deutschlands bleibt ein fortwährender Skandal.“

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ haben die Ermittler in mehreren Bundesländern 11 der 30 Verfahren eingestellt, die Anfang des Jahres eingeleitet worden waren, weil die mutmaßlichen NS-Verbrecher größtenteils nicht mehr verhandlungsfähig sind. Beschuldigt werden ehemalige SS-Leute im Alter von 88 bis 94 Jahren, die während des Zweiten Weltkrieges in Auschwitz Dienst geleistet haben sollen.

„Damit bleibt die Zahl der Auschwitz-Täter, die sich jemals vor Gericht verantworten mussten, lächerlich gering“, sagte Heubner mit Blick auf die rund 1,3 Millionen in Auschwitz ermordeten Menschen. „Zum lebenslangen Leid der Überlebenden steht das in keinem Verhältnis.“ In der deutschen Öffentlichkeit werde dagegen immer Wieder das Drängen der Überlebenden auf Gerechtigkeit - auch durch Verfahren gegen hochbetagte Täter - als „nicht endender Rachedurst denunziert“, klagte Heubner. „Das ist eine zynische Unverschämtheit.“

dpa

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