Heiße Phase im Kachelmann-Prozess

Mannheim - Der Prozess gegen Jörg Kachelmann tritt in seine entscheidende Phase: Am Montag hat das Landgericht Mannheim mit der Vernehmung des mutmaßlichen Opfers begonnen.

Im Prozess gegen Jörg Kachelmann hat die entscheidende Phase begonnen: Das mutmaßliche Opfer sagte am Montag zum ersten Mal ausführlich vor dem Mannheimer Landgericht aus. Die 37-Jährige beschuldigt den Wetterexperten, er habe sie Anfang Februar in ihrer Wohnung mit einem Küchenmesser bedroht und vergewaltigt. Kachelmann bestreitet das. Für den Ausgang des Prozesses wird es darauf ankommen, wem das Gericht glaubt. Wegen des Persönlichkeitsschutzes wurde die Öffentlichkeit für die mit Spannung erwartete Aussage ausgeschlossen.

Die blonde Radiomoderatorin “Sabine“, wie sie in den Medien meist genannt wird, kam in schwarzen Jeans und schwarzem Top zur Verhandlung. Darüber trug sie ein graues Strickkleid und um den Hals ein lilafarbenes gebundenes Tuch. Damit die Gutachter ihre Mimik sehen und ihre Glaubwürdigkeit besser beurteilen können, wurde ein Videobild der Frau auf eine Leinwand an der Wand projiziert. “Die Sachverständigen, die hinter der Zeugin sitzen, könnten ihr Gesicht sonst nicht sehen“, erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Grossmann. “Wenn sie einen Zeugen hören und seine Aussage bewerten wollen, ist es einfacher, sie sehen ihn von vorne.“ Bedenken, die genaue Beobachtung der Zeugin könne ihre Aussage möglicherweise beeinflussen, zerstreute Grossmann: “Die Nebenklägerin ist schließlich medienerfahren.“ Sie habe der Vorgehensweise zugestimmt.

Die Zeugin wurde zunächst nur zur Person vernommen. Sie habe ihren Werdegang von ihrer Jugend bis zur jetzigen beruflichen Tätigkeit geschildert, berichtete Kachelmanns Anwalt Klaus Schroth. Die Vernehmung sei “sehr ausführlich“. Staatsanwalt Grossmann sagte, er könne sich vorstellen, “dass diese Vernehmung mehrere Tage in Anspruch nehmen wird“. Zuvor hatte das Gericht in einem Streit mit der Verteidigung nachgegeben: Der Vorsitzende Richter belehrte die ehemalige Geliebte nun doch über ihr Aussageverweigerungsrecht. Dieses soll die Zeugin im Prozess schützen: Sie muss keine Angaben machen, wenn sie Gefahr liefe, sich selbst zu belasten. “Man muss sich als Zeugin nicht selbst in die Pfanne hauen“, erklärte Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock.

Kachelmann-Prozess: Die Bilder

Kachelmann-Prozess: Die Bilder

Die Verteidigung hält es für möglich, dass die Frau Kachelmann zu Unrecht beschuldigt und sich damit strafbar gemacht hat. Weil das Gericht die Belehrung bislang ablehnte, hatte Birkenstock am vergangenen Prozesstag einen Befangenheitsantrag gegen die drei Richter gestellt. Über diesen wurde noch nicht entschieden. An dem Antrag hält die Verteidigung fest: “Der Umstand, dass das Gericht unter dem Druck des Befangenheitsverfahrens das jetzt tut, was es schon am vergangenen Mittwoch hätte tun müssen, gibt keinen Grund, die Einschätzung zu ändern“, sagte Birkenstock.

Über den Antrag muss spätestens bis zum nächsten Verhandlungstag am Mittwoch entschieden werden. Sollte er Erfolg haben, müsste unter Umständen der Prozess mit neuer Besetzung von vorne beginnen. Die Verteidigung beantragte außerdem, neue Sachverständige mit Gutachten zu beauftragen. Ein Gerichtsmediziner soll beurteilen, ob sich “Sabine“ die Verletzungen, die sie an Hals und Oberschenkeln hatte, auch selbst zugefügt haben könnte. Der andere Sachverständige solle beweisen, dass die Spuren am Tatort “nicht mit der Tatschilderung der Nebenklägerin übereinstimmen und dass es beim angeblichen Tatmesser keine Spuren gibt, die man Herrn Kachelmann zuordnen kann“, sagte Birkenstock.

Die Spuren in der Wohnung der Ex- Geliebten seien lediglich Indizien für “einvernehmlichen variantenreichen Geschlechtskontakt“. Die Sachverständigen sind der Ersatz für einen anderen Gutachter der Verteidigung, der wegen möglicher Befangenheit vom Gericht abgelehnt worden war. Damit sind nun neun Gutachter an dem Verfahren beteiligt. Diese hohe Zahl sei “sicherlich außergewöhnlich“, sagte Staatsanwalts- Sprecher Grossmann. Genauso außergewöhnlich sei, “dass die Verteidigung diese Anzahl eigener Verteidiger ins Verfahren einbringen möchte“. Dadurch werde der Prozess immer komplexer.

dpa

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