Es hielt sie…
. . . nicht mehr vor dem Fernseher. Erst hatte sie ja darauf bestanden, dass selbstverständlich – Familientreffen hin oder her – die deutsche Nationalmannschaft aus der Ferne im Spiel gegen Argentinien unterstützt werden sollte. Überzeugungsarbeit musste Uhlenköpers Mutter dabei nicht leisten. Der Rest der Mischpoche sah das genauso. Nur Uhlenköper war ein wenig skeptisch. Er erinnerte sich noch sehr gut, dass er seine Mutter 1966 mehr oder minder mit Gewalt beim Englandspiel vom Fernseher wegzerrte. Die Frau hyperventilierte damals nicht erst nach dem Wembley-Tor und Uhlenköper glaubte damals, ein Herzinfarkt stehe unmittelbar bevor. Aber es hatte ja gerade erst die Rache für Wembley gegeben und Muttern schien nicht nur in stabiler Verfassung, sondern auch deutlich gesetzter als vor 44 Jahren. Falsch eingeschätzt: Die Frau geht beim Fußball mit wie eh und je. Im Gegensatz zu früher weiß sie allerdings, wann sie die Notbremse ziehen und vor der Spannung in den Garten flüchten muss. So kam ganz unverhofft während der zweiten Halbzeit zu einem unkrautfreien Blumenbeet der Uhlenköper.
