Tangermünde fehlt Ausleihstation für Kanus / Stadt rückt Vereine in Fokus

Wassersport und Tourismus noch nicht in einem Boot

+
Was der organisierte Wassersport für den Wassertourismus leisten kann und soll, scheint noch nicht abschließend beantwortet.

Tangermünde. „So ganz ausgereizt haben wir unsere Möglichkeiten im Wassertourismus noch nicht“, ist Günther Krach überzeugt.

Dabei fließt die Elbe, in den Top Ten der längsten Flüsse Deutschlands immerhin die Nummer drei, quasi vor der Haustür entlang, und auch der Tanger ist nah. Nirgendwo lasse sich ein Ruderboot, Kanu oder Segelboot ausleihen, geschweige denn einfachere Gefährte wie ein Tretboot. „Irgendwie schade“, findet das langjährige Mitglied des Tangermünder Wassersportvereins (TWV), in dem vor allem Besitzer von Segel- oder Motorbooten zuhause sind. Touristen und einheimische Freizeitpaddler müssten ja nicht gleich auf den Strom hinaus, sondern könnten im Hafen bleiben, auch wenn dieser momentan wegen des Schlamms wieder einmal wenig einladend aussehe. „Wir befinden uns im Wettbewerb mit anderen Orten, deshalb sollten wir dennoch darüber nachdenken, was machbar ist.“

Osterburg und Seehausen wollen in den Wassertourismus investieren, mit Fördermitteln unter anderem Anlegestellen auf den Elbenebenflüssen Biese und Aland schaffen lassen. Nicht zuletzt setzen beide Gemeinden auf Kanu und Ruderboot, die sich hier und dort bereits ausleihen lassen, mal aus privater Hand, mal aus öffentlicher. Tangermünde ist diesbezüglich immer noch ein weißer Fleck, wie auch Bürgermeister Jürgen Pyrdok (parteilos) weiß. Die Strukturen für die weitere Entwicklung des Wassertourismus seien allerdings ziemlich gut. „Wir haben mit dem TWV und dem Tangermünder Ruderclub, kurz TRC, zwei leistungsstarke Vereine. Und das Ruderbootshaus, übrigens dank finanzieller Mittel von Stadt und Hugo-Meyer-Nachfahren-Stiftung errichtet, ist wirklich herzeigbar.“ Im Klartext: Tangermündes Bürgermeister Pyrdok sieht die Kommune nicht unbedingt in der Pflicht. „Eine Bootsausleihe wäre Vereinsarbeit, und da reden wir nicht dazwischen.“

Karsten Eggert winkt ab. „Mit dieser Idee rennt bei uns niemand offene Türen ein“, sagt der TRC-Vorsitzende gegenüber der AZ. Ein Kanu- und Ruderbootverleih mache vor allem deswegen keinen Sinn, weil die Elbe für ungeübte Menschen schlichtweg zu gefährlich sei. „Ich weiß, dass es anderswo auch für die Elbe Angebote gibt, weiter nördlich in Werben beispielsweise oder auch in Buch. Doch wir möchten so etwas bei uns nicht tun.“ Schon 30- oder 40-Jährige, die ordentlich dem Verein beitreten und üben würden, bräuchten ihre Zeit, um sich einigermaßen sicher mit dem Boot auf dem Wasser zu bewegen.

Krach stellt das nicht in Abrede, glaubt aber dennoch an eine ungenutzte Chance. Auch sein Verein, der TWV, könnte weiter darüber nachdenken. „Eine Ausleihstation und passende Boote kosten natürlich Geld, das keiner der beiden Vereine hat. Wenn überhaupt, müsste uns irgendwie geholfen werden.“ Das TWV-Mitglied denkt dabei an das „Blaue Band“ oder andere Fördertöpfe.

Von Marco Hertzfeld

Kommentare