Über 2000 Jahre alter Friedhof mit 320 Gräbern bei Köckte entdeckt

Sensationsfund: Vorrömische Siedlung in Köckte ausgegraben

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Dieses Skelett des ehemaligen Einwohners der Siedlung, die am Köckter Deich von den Archäologen ausgegraben wurde, ist gut erhalten.

Tangermünde. Seit längerem wird an der Deichverlegung bei Köckte, einem Ortsteil von Bölsdorf gearbeitet. Im August rückten Archäologen an, weil Siedlungsreste in großen Mengen gefunden wurden.

Archäologin Dorothee Menke (r.), Grabungsleiterin, führte interessierte Bürger über das weitgehend freigelegte Siedlungsfeld.

„Die ehemalige Siedlung liegt südlich des jetzigen Ortsteils Köckte und befindet sich auf der Flur, die unter dem Namen „Alte Breite“ bekannt ist“, wusste Traude Lehmann, die Kirchenälteste von Köckte. „Die Anfänge der Siedlung stammen aus der vorrömischen Zeit und existierte vermutlich bis ins frühe Mittelalter“, wusste Archäologin Dorothee Menke, die als Grabungsleiterin am Dienstagnachmittag Interessierte über das inzwischen weitgehend freigelegte Siedlungsfeld führte. Die Mitarbeiterin des Landesamtes für Denkmalschutz und Archäologie in Halle konnte viele Fragen der erschienenen Gäste beantworten, weil inzwischen mehr als 320 Gräber mit Knochenresten, aber auch mehr als zehn Brunnen freigelegt wurden, in denen sich Scherben und anderer Abfall befanden, womit genaue Datierungen möglich sind.

Mehr als zehn Brunnen aus Holzüberresten wurden gefunden.

Daraus schloss sie auch, dass die Siedlung über mehrere Generationen bestanden haben, dass Eisenverarbeitung stattfand und eine Holzkirche existiert haben muss. Ein abseits der engen Bestattung gelegenes Grab, vermutlich in dieser Kirche, enthält neben den Knochen sogar noch einen, für Archäologen, gut erhaltenen Sargdeckel, der deswegen durch eine Folie geschützt war. Daraus, dass die Menschen in der Himmelsrichtung Westen und ohne Grabbeilagen beerdigt waren, schloss sie, dass es Christen waren. Dass viele Kinder unter den Begrabenen waren, führte sie auf Mangelerscheinungen bei der Ernährung zurück. „Es handelt sich hier um eine mittelwertige Ausgrabung, die noch bis zum 18. Dezember fortgesetzt wird“, war auf Nachfrage noch zu erfahren.

Von Günther Krach

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