Fachleute-Treffen: Vermächtnis von Karl IV. wirkt in Tangermünde nach

Kaisers Lieblingsresidenz zehrt von der Historie

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Museumsleiterin Sigrid Brückner eröffnete in der Tangermünder Salzkirche das Kolloqium zum 700. Geburtstag eines der bedeutendsten Herrscher des späten Mittelalters.

Tangermünde. 700 Jahre liegt die Geburt des späteren römisch-deutschen Kaisers, Königs von Böhmen und deutschem König zurück.

Noch immer gedenken Tschechen und Deutsche der Errungenschaften des Kaisers, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht, wollte er doch Prag, mit seinem Hauptsitz, zum wirtschaftlichen Zentrum Europas machen. Durch seinen frühen Tod konnte der Monarch sein Ziel nicht erreichen. Die Burg Tangermünde lag dabei nach der böhmischen Grenze als erste „Festung“ an der Elbe, weshalb sie zur Nebenresidenz ausgebaut wurde, was die Entwicklung der Stadt positiv beeinflusste. Darüber referierte Dr. Richard Nemec, Dozent an der Hochschule Freiburg und Bern, nachdem Stendals Landrat Carsten Wulfänger und Tangermündes Bürgermeister Jürgen Pyrdok den Werdegang des Kaisers und die Nachwirkungen bis heute dokumentiert hatten.

Auch der Vizepräsident des Landesheimatbundes, Norbert Lazay würdigte Karl IV., er erinnerte „Landbuch“ und „Goldenen Bulle“ sowie die Sage über die Erbsensuppe mit Schweinsohren und -schwänzen, die an die „Sparsamkeit“ des Kaisers erinnert. Lazay, Vertreter der Stadt Tangermünde und Sigrid Brückner, Leiterin der Tangermünder Museen, hatten das Kolloquium zusammengestellt.

Nemec vom Institut für Kunstgeschichte, Architektur und Denkmalpflege in Bern referierte über die Burg in Tangermünde als Residenz oder Zweckbau. Und verglich sie mit Burgen in Nürnberg, Metz und Frankfurt am Main, die 1356 und 1366 feierlich eröffnet wurden, wie dann 1374 in Tangermünde. Auch er war „von praktischen Entscheidungen des Kaisers überzeugt, in Tangermünde eine Nebenresidenz zu errichten, „sowohl wegen der strategisch günstigen Lage am Fluss, als auch wegen ihrer stabilen Bauweise, was Magdeburg und Stendal nicht bieten konnten“. Mit der Behauptung, dass der Kaiser „später nach Berlin-Cölln übersiedelte, was den weitaus höheren Steuereinnahmen geschuldet“ war, schloss der Dozent seinen Vortrag.

Dass die Tangermünder Burg „des Kaisers Lieblingsresidenz war“, meinte auch Zdenek Kuna, 1. Sekretär und Kulturattache der Tschechischen Botschaft in Berlin. Er bescheinigte dem Kaiser eine „hohe Bildung, literarische Fähigkeiten, Ehrgeiz und Standhaftigkeit“. Prag machte er zur „Weltstadt“ neben Paris und führte dabei nur einen Krieg“, sagte er.

Interessant war auch der Vortrag des Berliner Kunsthistorikers Dirk Schumann, der über die artverwandte Architektur des späten 14. Jahrhunderts in der Mark Brandenburg sprach. Er dokumentierte die Backsteinarchitektur, an Kirchen, Gewölben und Skulpturen und verglich diese mit Bauten in Frankfurt/Oder, Luckau, Beeskow, Nürnberg, Stettin, Stargard und Königsberg Brunsberg, den Erbauer des Tangermünder Rathauses hob der Fachmann hervor, war Brunsberg doch der Einzige, der gleichzeitig mehrere Monumentalbauten betreute. Das Geburtstagskolloquium ging als literarisch-musikalischer Abend mit Michael Kemnitz aus Stendal, Schauspieler Michael Lorenz und der Magdeburger Gruppe „Liebstöckl“ zu Ende.

Von Günther Krach

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