Stefan Mettner ist neuer Leiter der Jugendeinrichtung in Tangermünde

„Ideenverbinder“ im Shalomhaus

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Im Shalomhaus gibt es einen bunten Strauß an Angeboten – vom Jugendclub über das Familienzentrum und die Streetwork bis hin zum Trauercafé. Stefan Mettner ist der neue Leiter.

Tangermünde. Die Altmark? Das ist doch nur Acker da. Das ließ sich leicht sagen für Stefan Mettners Freunde in Riesa, als er erklärte, er würde nun in der Altmark arbeiten. Aber so leicht ist es nicht, nicht für Mettner.

Er ist neuer Leiter des Shalom-Hauses in Tangermünde und für ihn ist es eine Rückkehr. „Wenn ich durch diese Landschaft fahre, ist es ein Aufatmen – das Gefühl, nach Hause zu kommen. “ Und hier will er nun ankommen – beruflich wie privat.

Seit einigen Wochen hat er die Geschäfte von Hans-Ulrich Schmidt übernommen und er lebt sich ein als neuer Chef im Shalom-Haus. „Die Streetworkerin Carola Schulz hat mich auf ihre Kiez-Tour mitgenommen und mir gezeigt, wo es brennt“, sagt er darüber. Und er findet auch seine eigenen Themen, wie schon in Riesa, wo er in seiner letzten Station Leiter eines Mehrgenerationenhauses und einer Jugendkultureinrichtung war. Der gebürtige Altmärker – vor 37 Jahren ist er in Stendal geboren – sieht Handlungsbedarf in vielen Bereichen: im Mobbing, also dem gezielten Runtermachen von Einzelnen. Oder beim „Sexting“ – in seiner schlimmen Form das Veröffentlichen von Sex-Bildern oder -Videos aus privaten Beziehungen. „Und die Drogenproblematik ist wie überall ein Thema“, sagt er.

Aber er arbeitet sich noch ein. Einige Erfahrungen und Schwerpunkte wird er hier in Tangermünde einbringen wollen – wie die Demokratiebildung. Jugendlichen kann dadurch bewusst werden, wie man sich einbringen kann in lokale Politik. Sie müssen sich informieren und aktiv werden, meint er. „Lokalpolitik wird aus Sicht der Bürger und Jugendlichen als sehr abstrakt wahrgenommen. Dabei ist die Politik sehr dankbar über den Austausch mit der Basis“, sagt Mettner. Er sieht sich dabei als „Ideenverbinder“: Ansätze aufnehmen und verbinden, Kooperationen schaffen. „Wenn alle mitziehen, ist das ein unheimlich gutes Gefühl.“ Und was in der Jugendarbeit geschafft wird, kann eine große Erfahrung sein, von der man noch Jahre später von Jugendlichen erzählt bekommt. „Gerade die Jugend ist in einer Orientierungsphase, in der man auch noch Vorbild ist. Man kann dort prägen und Kompetenzen herausbilden. Damit ist es eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe“, meint der Shalomhaus-Chef. Seinen Baukasten dafür setzt er sich zusammen mit Projekten und Ideen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft.

Und persönlich muss er sich auch einfinden. Seine Frau Kati, die zusammen mit ihm in Merseburg studiert hat, und seine Kinder Charlotte (11) und Helene (6) freuen sich idealerweise auf ein Dorfleben. „Wir suchen ein schönes Häuschen und ländliche Ruhe“, erzählt er. Die Natur ist ihm ins Herz gebrannt. Wenn er Zeit hat, fährt er gern Rad, und kürzlich war er zwei Wochen allein mit seinem Rad, zwei Gepäcktaschen und einem Zelt in Schweden, gefolgt von zwei weiteren Outdoor-Wochen mit der ganzen Familie. Derzeit lebt seine Familie noch in Riesa. Spätestens im kommenden Jahr würde er mit der Familie umsiedeln. In die alte Heimat.

Von Kai Hasse

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