Katharina von Bora fährt unter neuer Flagge

Hochwasser trieb in die Insolvenz: SET-Werft wartet auf ausstehende Zahlungen

+
Sie gehören besonders in der Nebensaison zum festen Stadtbild, die Kreuzfahrtschiffe, die aktuell unterwegs sind.

Tangermünde. Das Ziel ist klar definiert. Das Unternehmen soll weitergeführt werden, trotz Insolvenz. Die MS Katharina von Bora und die MS Frédéric Chopin gehören besonders in den Wintermonaten zum hafenseitigen Stadtbild Tangermündes.

Läuft die Saison während der warmen Monate an, sind die beiden Binnenkreuzfahrtschiffe zwischen Potsdam und Prag meist auf der Elbe unterwegs. Ab August sind bereits neue Fahrten buchbar. Dabei musste Nicko Cruises, der Reiseveranstalter, unter dessen Flagge die genannten und insgesamt 33 Schiffe fahren, Rechtsanwalt Michael Pluta beauftragen, die Insolvenz abzuwickeln.

Bereits gebuchte Fahrten sollen bis einschließlich dem Abfahrtstermin 15. Juni reibungslos fahren können. „Wir gehen zurzeit davon aus, dass auch die nächsten Reisen stattfinden können“, heißt es in einem Informationsschreiben zum Regelinsolvenzverfahren. Dabei fährt die Katharina von Bora momentan für den Veranstalter „conference & touring“ und ist komplett ausgebucht, wie Regine Schönberg, Tourismusbüro Tangermünde, auf Nachfrage bestätigte.

Ende Februar hatte der Reiseveranstalter in einer Pressemitteilung noch unter der Überschrift „Der Spezialist für Flusskreuzfahrten bricht auf zu neuen Ufern“ angepriesen, Marktführer zu sein. Und bekannt gegeben, dass die Marke „Nicko Tours“ nun durch einen Namen mit „stärkerem Wiedererkennungswert“ abgelöst wird. „Mit Saisonstart März 2015 werden die Neuzugänge der Flotte [...] bereits mit nicko cruises Logo, rotem Rumpf und blauer Linie zu sehen sein“, hieß es zu Jahresbeginn noch.

„Besondere geschäftliche Herausforderungen“ waren es jedoch, die nun dazu führten, dass der Insolvenzverwalter aktiv werden musste. Insbesondere sei das Hochwasser im Frühjahr 2013 ein Faktor gewesen, der vor allem für zahlreichen Reiseausfällen vorantwortlich war und damit die Einnahmen schmälerte. Jedoch ist das Unternehmen nicht nur auf der Elbe aktiv. Kernmärkte sind auch die Ukraine und Russland. Durch die anhaltenden Spannungen vor Ort, kam es dazu, dass immer weniger Kunden dort ihren Urlaub genießen wollten und auch konnten.

„Nicko Cruises wurde 1992 als Veranstalter für Russlandreisen gegründet“, macht das Unternehmen deutlich. Entsprechen hart habe die politische Krise ins Geschäft eingeschlagen und zu einer „unzureichenden Liquidität“ geführt. Diese wirkt sich auch auf andere Firmen der Kaiserstadt aus. So sprach Olaf Deter, Geschäftsführer der SET Schiffbau und Entwicklungs-gesellschaft, während des Besuchs des sachsen-anhaltinischen Wirtschaftsministers Möllring davon, dass die Werft noch Geld von Nicko Cruises erwarte. Die beiden Schiffe werden bereits seit Jahren turnusgemäß in Tangermünde über die Wintermonate gewartet.

Ein Hinweis für Reisekunden: Jene, die bereits gebucht haben, sollen ihre Reise im besten Fall nicht stornieren, rät Insolvenzverwalter Pluta. Die Stornierungsgebühren würden letztendlich auf den Kunden zurückfallen. Sollte eine Fahrt jedoch komplett ausfallen, sind die Kunden über den Reisesicherungsschein abgesichert. Nicko Cruises wollen sich als Reiseveranstalter nun neu aufstellen und hoffen, dass die Reise auf den Flüssen und in küstennahen Gewässern fortgesetzt werden kann.

Von Alexander Postolache

Kommentare