Lothar Mittag referierte über Altmärkische Hünengräber in der Salzkirche

Gräber, älter als die Pyramiden

Lothar Mittag berichtete in der Salzkirche über den Verlust vieler Hünengräber im 19. Jahrhundert. Foto: Krach

gk Tangermünde. Im Rahmen der Vortragsreihe der Städtischen Museen referierte der Archäologe Lothar Mittag vom Danneil-Museum in Salzwedel über Großsteingräber in der Altmark. Es war die letzte Veranstaltung im Rahmen der Vortragsreihe für dieses Jahr in der Salzkirche.

Museen- und Archivleiterin Sigrid Brückner hatte Mittag bei seinem Vortrag über Hünengräber vor einem Jahr in Perleberg kennengelernt und dann nach Tangermünde eingeladen.

In 90 Minuten brachte Mittag seinen Zuhörern in Wort und Bild chronologisch die lange Entstehungsgeschichte der Großsteingräber näher – von der Jungsteinzeit, die Zeit ihrer Entstehung, über die Neuzeit, die Zeit ihrer teilweisen Zerstörung, bis in die heutige Zeit, die Zeit ihrer Erforschung und Pflege.

Bekanntlich kamen die großen Steine mit der Eiszeit, also vor zirka 15 000 Jahren von Skandinavien bis in unsere Region. Ab 4500 vor Christus legten die Menschen aus diesen Steinen Gräber an. Hünengräber wurden sie später genannt, weil sich die Menschen ihre Entstehung nicht erklären konnten. Die größten Gräber gibt es um Hamburg (bis 120 Meter lang), in der Altmark viele südwestlich von Salzwedel, wie in Diesdorf, Winterfeld, Drebenstedt und Lüdelsen, sogar mit Lehrpfad, aber auch in Kläden, Grassau, Bismark und Steinfeld, wobei Letzteres mit 47 Metern Länge das größte erhaltene in der Altmark ist.

„Zur Zeit von Danneil und dem Tangermünder Carl Hartwich (1851-1917) gab es noch 142 Großsteingräber in der Altmark“, wusste Mittag – davon 116 im Kreis Salzwedel und 26 im Kreis Stendal. Jetzt gibt es noch zirka 50, teilweise gut erhaltene Gräber, in der Altmark. Mit der erneuten Landvermessung, der intensiveren Nutzung der Ackerflächen und einem damit verbundenen Bauboom, wurden von 1830 bis 1850 viele Gräber beseitigt oder zerstört. Das kritisierten später neben Danneil und Parisius der Arzt und Anthropologe Rudolf Wirchow und der gelernte Apotheker und spätere Vorgeschichtler Carl Hartwich, der auch über alte Häuser in der Altmark berichtete und auf der Tangermünder Burg Ausgrabungen machte.

Heutzutage kümmern sich Archäologen wie Mittag um die Gräber, erforschen ihre Geschichte und pflegen die Boden-Denkmale. Im Jahr 2000 wurde das Grab in Kläden freigelegt. Im Jahr 2007 gab Mittag das Buch „Großsteingräber in der Altmark“ heraus.

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