Tangermünder steht vor Gericht

Backpfeifen für die Taxifahrt

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Der Angeklagte wurde in Handschellen in den Saal gebracht.

Tangermünde. Ein eigentlich eher banaler Streit zwischen Bekannten ist im März dieses Jahres so eskaliert, dass sich die Kontrahenten bereits zum zweiten Mal vor Gericht wiedergesehen haben. Es ging um 30 Euro Taxikosten zum Jobcenter in Stendal und zwei gewaltige Ohrfeigen.

Wegen räuberischer Erpressung mit Körperverletzung war ein 39-jähriger arbeitsloser Maurer aus Tangermünde bereits vom Amtsgericht Stendal zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt worden. Sein Vorstrafenregister ist voll mit Körperverletzungen, Diebstahl oder Erpressung. Er wollte im März 2015 zum Jobcenter zu einem wichtigen Termin. Wäre er nicht gekommen, hätte es Sanktionen vom Arbeitsamt gegeben. Er machte mit einem 27-jährigen Bekannten aus, dass der ihn von Tangermünde aus hinfährt. Als der Termin war, war der Fahrer nicht zu Hause, und der 39-Jährige musste sich gehetzt ein Taxi nehmen. Hintergrund: Der Fahrer will laut Aussage vor dem Landgericht unplanmäßig bei seinem frisch geborenen Baby im Krankenhaus wegen einer Krankheit gewesen sein. Zwei Tage später nun stand der erboste 39-Jährige bei seinem Fahrer auf der Matte. Und zum Folgenden lieferten die beiden unterschiedliche Szenarien: Der Fahrer meinte, der Beschuldigte habe ihm saftige Ohrfeigen verpasst (er konnte zwei Tage auf dem Ohr nicht hören) und dabei das Taxi-Geld von 30 Euro zurückgefordert. Der Beklagte meint, er habe dem Fahrer einen Satz Maulschellen verpasst, weil er sauer war wegen des Versetzens zum Jobcenter-Termin. Das „und außerdem schuldest Du mir noch 30 Euro wegen dem Taxi“, habe er nur beim Gehen gesagt. Der Unterschied ist klein, aber wichtig: Geht es um räuberische Erpressung mit Körperverletzung – also Ohrfeigen zum Einschüchtern und Einpressen des Geldes? Oder eben „nur“ um Körperverletzung?

Richter Gundolf Rüge musste die beiden mehrfach davon abhalten, im Saal nochmal mindestens verbal aneinander zu geraten. Die beiden waren mal Kumpels, aber es ist klar: Zwischen den beiden ist das Tischtuch zerrissen. „Wir hätten das auf der Straße klären können“, sagte der 27-Jährige zum Beschuldigten, „aber nicht vor meiner Familie, nicht vor meinen Kleinen.“ Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Von Kai Hasse

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