Tierschützerin berichtet von schlimmen Zuständen in Polen

Emmi und Blanka – zwei Pferde vor der Schlachtbank gerettet

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Die achtjährige Blanka (l.) und die siebenjährige Emmi hatten Glück. Die Tierschützerin und Pferdeliebhaberin Angela Jackowski hat die beiden Stuten vor der polnischen Schlachtbank gerettet.

Cobbel. Noch im Februar dieses Jahres waren die beiden Pferde Emmi und Blanka dem Tode geweiht. Ihr Schicksal war vorbestimmt: Endstation Schlachthof.

Doch Angela Jackowski hat die beiden Stuten vom Pferdemarkt in Skaryszew (Polen) freikaufen können, sie nach Cobbel auf ihren Schutz- und Gnadenhof geholt und so vor dem Tod bewahrt. „Jedes Jahr werden dort 3500 Pferde an Schlachter verkauft, teilweise werden Fohlen sogar nur zum Schlachten gezüchtet“, weiß die Tierfreundin.

Die achtjährige Blanka hat Hufkrebs und bräuchte eigentlich Medikamente. Sie hat einen kleinen „blinden Passagier“ von Polen mit nach Cobbel gebracht: Ende Oktober soll das kleine Fohlen auf die Welt kommen. Jackowski berichtet im AZ-Gespräch von dem Schicksal, das tragende Stuten nach diesen Pferdemärkten ereilt: „In Deutschland ist es verboten, trächtige Stuten zu schlachten, aber in anderen Ländern werden ihnen die Bäuche aufgeschlitzt und die kleinen, noch unfertigen Fohlen herausgezogen und brutal abgeschlachtet.“

Blankas Fohlen wird auf dem Hof von Jackowski zur Welt kommen. „Wir freuen uns schon, aber es wird, wenn es alt genug ist, nicht hier bleiben können. Eine gute Freundin wird sich um das Kleine kümmern. Da weiß ich, dass es in guten Händen sein wird“, erklärt die 62-Jährige.

Die siebenjährige Emmi war am Anfang ganz ängstlich. Doch nach vier Monaten in der Haltung in einem Offenstall, wo die Pferde selbst entscheiden können, wann sie zur Heuraufe gehen, in der Sonne dösen, in den Stall gehen oder mit ihren Freunden freche Spielchen treiben, fühlen sich die zwei Pferde sicher und tauen langsam auf.

Mit Blanka und Emmi hat Angela Jackowski nun insgesamt 14 noch recht junge Pferde auf ihrem Hof. Die beiden Neulinge sind immer noch getrennt von den anderen, haben aber die Möglichkeit, sich immer zu beschnuppern. Alles in allem haben sich die zwei gut eingelebt, bescheinigt Angela Jackowski.

Der vierjährige Dobbie ist ein ganz schön frecher Geselle, der gern auch mal die Schlüssel mopst und damit abhaut, wenn das Schlüsselband aus der Hosentasche guckt. So ist es einer guten Freundin von Angela Jackowski passiert. „Wir haben uns unterhalten, Dobbie hat die Schlüssel aus der Tasche gezogen und ist damit weggelaufen. Er hat sich daraus einen Spaß gemacht, als wir ihm hinterhergerannt sind“, erzählt sie lachend. Dobbie ist zusammen mit Merlin und Michel im zarten Alter von vier Monaten auf einem österreichischen Pferdemarkt vor dem Schlachter gerettet worden. Alle Drei leben schon seit vier Jahren auf dem Schutzhof und fühlen sich pudelwohl.

„Die Pferde sind anfangs erst einmal verhaltensgestört, wenn sie hier ankommen. Wenn man bedenkt, was sie schon alles hinter sich haben ... Aber sie merken sehr schnell, dass sie hier in Sicherheit sind, es braucht viel Einfühlungsvermögen und Vertrauen. Man kann alles mit ihnen machen. Sie treten nicht aus, sind sehr lieb und zutraulich“, erklärt die Tierschützerin abschließend.

Von Maren Maatz

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