Gedenkstele für aserbaidschanische Kriegsopfer wurde abgelehnt

„Wir öffnen die falsche Tür“

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Die Gedenkstätte an der evangelischen Kirche an der Breiten Straße in Tangerhütte ist neutral gehalten und könnte für alle Todesopfer von Krieg und Gewaltherrschaft, egal welcher ethnischen Herkunft, zum Gedenken genutzt werden.

Tangerhütte. Der Deutsch-Aserbaidschanische Kulturverein in Sachsen-Anhalt ist mit einem Anliegen an die Tangerhütter Stadtvertreter herangetreten. Der Verein möchte gern eine Gedenkstele auf einem öffentlichen Platz in Tangerhütte aufstellen.

Diese soll an die aserbaidschanischen Todesopfer anlässlich des Konfliktes, der seit 1988 zwischen Armeniern und Aserbaidschanern in Bergkarabach eskaliert ist, erinnern.

„Ich kann das Anliegen verstehen, aber ich tue mich mit diesem Antrag schwer. Wo ist der Bezug zu Tangerhütte“, fragte Ortschaftsratmitglied Marcus Graubner (CDU). Michael Nagler (SPD) bestätigte, dass der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um das Gebiet Bergkarabach immer noch fortbestehe und dass in Bezug auf die Massaker von Chodschali und Maraga gefälschte Beweise aufgetaucht seien. „Ich lehne das strikt ab. Wenn diese Stele für die Aussöhnung oder für die Opfer beider Völker stehen würde, dann wäre es okay“, sagte er.

Auch Werner Jacob (CDU) hat bei diesem Antrag Bedenken: „Wenn unter den zukünftigen Flüchtlingen Armenier sind, könnte der Konflikt hier weitergehen.“ Man würde einer Partei somit eine Bühne geben, hieß es von Ortschaftsratmitglied Bernd Liebisch (CDU). „Wir würden die falsche Tür aufmachen. Ein Signal für Toleranz wollen wir setzen, aber wenn eine Partei wegen einer Gedenkstätte kommt, dann wollen die anderen auch eine haben“, erklärte Graubner.

Bodo Strube (Die Linke) stand dem Anliegen offen gegenüber und forderte, mit dem Votum abzuwarten und mehr Informationen einzuholen. Er stimmte als Einziger für den Antrag. Doch er wurde überstimmt, und der Antrag auf eine Gedenkstele für aserbaidschanische Opfer abgelehnt. Die Ortschaftsräte kamen jedoch überein, dem Deutsch-Aserbaidschanischen Verein die allgemeine Gedenkstätte „Zum Gedenken den Opfern von Krieg und Gewalt“ an der evangelischen Kirche vorzuschlagen. Dort könnte unabhängig von Religion oder Herkunft den im Krieg gefallenen Todesopfern gedacht werden.

Von Maren Maatz

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