Tangerhütter „Altes Schloss“ weiter unverkauft / Bis 1996 ein Pflegeheim

Wagenführs Fabrikantenvilla gibts zum Schnäppchenpreis

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Als „märchenhaft“ wird das Tangerhütter „Alte Schloss“ angepriesen. Neuerdings versucht ein Anbieter aus der Landeshauptstadt, das Objekt loszuwerden. Davor hatte schon eine Magdeburger Immobilienfirma vergeblich nach einem Käufer gesucht.

Tangerhütte. Das „Alte Schloss“ im Tangerhütter Stadtpark gibt es jetzt zum Schnäppchenpreis. Die Immobilie steht bereits seit Jahren unter anderem im Internet-Auktionsportal ebay zum Verkauf. Ursprünglich sollte das Gebäude hier für 270 000 Euro zu haben sein.

Später wurde der Preis auf 225 000 Euro gesenkt. Als Verkäufer fungierte eine Immobilienfirma aus Magdeburg. Nun tritt ein anderer Anbieter, ebenfalls aus Magdeburg, auf, der nur noch 185 000 Euro verlangt.

Wie zuvor, wird das Gebäude als „Märchenhaftes Schloss im Park in Tangerhütte“ angepriesen. „Verwunschen“ dürfte eher zutreffen. Das Gebäude ist, wie in der Beschreibung richtig angegeben, eigentlich eine Villa, die die Fabrikantenfamilie Wagenführ in den Jahren 1873/74 als Wohnhaus am ebenfalls neu angelegten Park errichten ließ. Das Haus verfügt über 50 Zimmer. Noch prächtiger ist die nur einen Steinwurf entfernte zweite Villa. Wegen der Größe und der ursprünglichen architektonischen Pracht taufte der Tangerhütter Volksmund die beiden Gebäude „Altes Schloss“ und „Neues Schloss“.

Letzteres beherbergte bis 1996 ein Pflegeheim. Seitdem steht das Gebäude weitgehend leer. Die Immobilie blieb im Besitz der Stadt, die den notdürftigen Erhalt sichert und die Räume für öffentliche Veranstaltungen, Ausstellungen und Trauungen nutzt. Im „Alten Schloss“ war zu DDR-Zeiten die Kreispoliklinik Tangerhütte untergebracht. Dann gehörte die Liegenschaft dem Landkreis Stendal, der sie Mitte der 1990-er Jahre veräußerte. Das Gebäude wechselte daraufhin mehrfach die Besitzer. Keines der versprochenen Nutzungskonzepte, unter anderem als Hotel oder Seniorenresidenz, wurde je umgesetzt. Der Verfall greift daher weiter um sich.

Von Christian Wohlt

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