Gedenkstein für Heinrich Rieke und Nazi-Opfer liegt versteckt an ehemaliger Schule

Das vergessene Gedenken

Tangerhütte. Vor 71 Jahren endete der Zweite Weltkrieg. Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker nannte den 8. Mai einen Tag der Befreiung von Krieg und Nazidiktatur, auch für das deutsche Volk.

In der DDR wurde der Tag, staatlich verordnet begangen, das Gedenken an die Opfer des Faschismus öffentlich zelebriert. Heute sind nicht nur die Rituale verschwunden, vielfach auch ihre Orte.

Viele Jahre lang wurde in Tangerhütte an der früheren Heinrich-Rieke-Schule (heute Grundschule am Tanger), mit einem kleinen Mahnmal dem Namensgeber und der Nazi-Opfer gedacht. Hier fanden Fahnenappelle, feierliche Aufnahmen in die FDJ oder die Pionierorganisation statt. Nicht nur jeder „Rieke-Schüler“ verbindet damit eigene Erinnerungen. Vor dem Bau der Schule war der Stein auf einem gleichnamigen Platz im Herzen der Stadt zu finden.

Den Umzug an die Schule überstand das Denkmal unbeschadet. Auch nach der Wende blieb es unbehelligt auf seinem Sockel stehen. Seit der Umgestaltung des Geländes 2013 ist es verschwunden. Abgebaut und „gesichert“, wie Bauamtsleiter Erich Gruber damals auf Nachfrage erklärte. Wie das aussieht, ist bis heute zu „bewundern“. Der Stein liegt noch immer, achtlos hingeworfen in einer Ecke des Schulgeländes am Zaun.

Verschwunden ist die Stele an der Lamberz-Schule (später Gymnasium), die die Sowjetsoldaten als Befreier ehrte. Auf dem Friedhof erinnert noch immer eine Ehrenmal an die während des Zweiten Weltkrieges in der Stadt gestorbenen kriegsgefangenen polnischen Soldaten und Offiziere. Doch wissen sicherlich wohl selbst nicht mehr alle Tangerhütter, was es damit auf sich hat. Vergessenes Gedenken. Heutzutage werden Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft an einem Gedenkstein vor der evangelischen Kirche geehrt. Dort, wo früher ein Kriegerdenkmal war.

Von Christian Wohlt

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