Freizeitstätte ohne Wild: Ellen Renne fordert radikalen Umbau der Parks in Weißewarte

„Raus mit eingesperrten Tieren“

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Das Luchsgehege wird neu gestaltet. Die Tiere befinden sich deshalb in einem Ausweichquartier. Ein Großteil der Tierunterkünfte ist bereits erneuert. Das Wildparkteam lädt für den 2. Oktober zum Herbstfest ein und für den 15. Oktober zum Laternenfest.

Weißewarte. „Tiere sind nicht auf Kosten des Steuerzahlers einzusperren. Wer meint, er müsse ein Lebewesen hinter Gittern halten, soll das bitte aus seinem privaten Geldbeutel finanzieren."

Ellen Renne, eine Tierschützerin aus Tangermünde, sieht in den Sparplänen für den Wildpark in Weißewarte vermutlich noch viel mehr als deren Schreiber. Gegenüber der AZ spricht sie von der Chance auf eine Kehrtwende: „Dieser Park sollte umstrukturiert werden, weg von und raus mit eingesperrten Tieren, hin zu einem Erlebnisbereich, in dem einen keine Augen durch Maschendraht und Gitter beobachten müssen. So ist auch bei Hochwasser nur noch Sachschaden zu beklagen. “.

400 Tiere und permanent personell unterbesetzt, da könne sich ein jeder ausrechnen, wie viel Fürsorge das einzelne Individium erfahren darf. Für sie sei der Wildpark weder eine Erfolgsgeschichte noch eine herausragende Freizeitstätte, wie es Detlef Radke (CDU), Ortsbürgermeister, Landtagsmitglied und Gegner des Plans von Andreas Brohm, in der AZ ausdrückte. Der Bürgermeister der Einheitsgemeinde Tangerhütte will den Park 2020 einer gemeinnützigen Gesellschaft übergeben und dadurch Geld sparen. Renne will mehr: „So wie es Zirkusse ohne Wildtiere gibt, sollten wir auch in anderen Bereichen Verzicht üben.“

Es gebe so schöne Beispiele in Deutschland für eine Alternative: eine Mischung aus Spielplatz, Mitmachmuseum und Veranstaltungsort, zum Austoben, Raten und Unterhalten lassen. „Warum muss man sich an einer Austragungsstätte von Festen und Flohmärkten wie in Weißewarte, was immer sehr viel Krach und Trubel bedeutet, eine lebende Dekoration aus Wildtieren halten? Damit es dem Menschen gut geht, er seinen Spaß hat, bekommt das Tier ,lebenslänglich’. Für uns ein egoistisches und rücksichtsloses Verhalten gegenüber dem Leben anderer Kreaturen“, verdeutlicht die Elbestädterin ihren Standpunkt.

Renne bezeichnet sich selbst als Tierschützerin, gehört nach eigenen Angaben aber keiner Organisation mehr an, was sie allerdings nicht daran hindere, auch für jene Menschen zu sprechen, die genauso denken würden wie sie: „Bei dutzenden Tiere wurde dieses Dasein auch noch qualvoll durch Hochwasser beendet. Immer wieder werden sie an gleicher, gefährlicher Lage in die Käfige gesperrt und damit bewusst in Kauf genommen, dass sie Opfer von Naturgewalten werden können. Und diese tierfeindlichen Maßnahmen kosten auch noch reichlich Gelder, die dringend an anderen Stellen benötigt werden.“ Das Hochwasser 2013 traf den Wildpark hart. Seit Herbst 2015 ist kräftig in die Freizeitstätte investiert worden, annähernd eine Million Euro (die AZ berichtete).

Von Marco Hertzfeld

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