Land will Polizeistation meistbietend veräußern

Kaufabsicht der Lebenshilfe: „Nicht um jeden Preis“

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Die Polizeistation ist leer. Ein Kontaktbeamter sitzt im Tangerhütter Rathaus. Die Lebenshilfe ist stark am Kauf interessiert. Das Land Sachsen-Anhalt will aber meistbietend versteigern.

Tangerhütte. Die Überraschung war subjektiv wahrgenommen fast schon durch das Telefon zu hören und wurde von Heidemarie Behrends, Geschäftsführerin der Lebenshilfe in Tangerhütte mit einem „Das ist ja spannend“ kommentiert.

Der Verein, der in der Tangerstadt neben den Werkstätten und dem Wohnheim auch das Tangercafé an der Bismarckstraße betreibt, war und ist an einem besonderen Gebäude in direkter Nachbarschaft zum besagten Café interessiert. Dabei handelt es sich um die ehemalige Polizeistation. Wie die AZ berichtete, zog das Interesse an dem zweistöckigen Flachbau bereits Kreise auf Landesebene. Das Innenministerium war zwar für die damaligen Nutzer, für die Beamten der Polizei und deren Ausstattung zuständig, jedoch nicht für das Gebäude. Der „schwarze Peter“ wurde ein Ministerium weiter geschoben und den Finanzexperten übergeben.

„Aus dem Finanzministerium erwarten wir seit zwei Monaten eine Antwort“, sagte Behrends gestern der AZ. Auf diese könne sie lange warten, meinte Viola Nowothnick vom Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt in Halle und erklärte auf Nachfrage warum das so ist. „Momentan wird noch ein Wertgutachten erstellt“ und somit der Preis für das Gebäude an der Bismarckstraße ermittelt. Ende September, spätestens aber zu Beginn des Oktobers, soll die ehemalige Polizeistation in einem öffentlichen Bieterverfahren versteigert werden – meistbietend.

Über zehn Interessenten hätten in dieser Woche, seitdem ein Plakat mit einer Telefonnummer der Landesmanager und den Worten „zu verkaufen“ im Fenster hängt, bereits angerufen und sich als Interessenten registrieren lassen. Das will Behrends nun auch für die Lebenshilfe zu, will die „Bruchbude aber nicht um jeden Preis“ erwerben. Wer am meisten bietet, erhält den Zuschlag, sagte Nowothnick. Das gelte leider auch für gemeinnützige Vereine.

Was die Lebenshilfechefin am meisten zu ärgern scheint, ist, dass sie nicht von vorn herein durch die zuständigen Ministerien informiert wurde.

„Sozialminister Norbert Bischoff war am 2. Februar in Tangerhütte. Er wollte sich der Sache annehmen. Dem Finanzministerium hatten wir geschrieben und keine Antwort erhalten, nur die mündliche Antwort bekommen, dass der Preis noch zu ermitteln sei.“ Der Wert wird ermittelt. Allerdings ist das Land am maximalen Gewinn interessiert.

Dass Wohnraum für Menschen mit Behinderung dort entstehen könnte, das Leader-Management bereits konkrete Pläne erarbeitet hat, interessiert dabei nicht recht.

Von Alexander Postolache

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