Vor 30 Jahren brachten die 21. Arbeiterfestspiele einen Aufschwung

Die letzte Blüte Tangerhüttes

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Die Arbeiterfestspiele waren stets ein ganz besonderer Höhepunkt mit beispielsweise sowjetischen Tanzgruppen.

Tangerhütte. Das Tauziehen um den Erhalt des Tangerhütter Kulturhauses geht weiter. Bei diesem Thema kochen im Stadtrat der Einheitsgemeinde stets die Emotionen hoch. Über Sanierungspläne gestritten wird seit Jahren. Eine unendliche Geschichte, die vor genau 30 Jahren begann.

Damals erhielten Haus und Gelände ihr jetziges Aussehen. Die 21. Arbeiterfestspiele machten es möglich. Es war die letzte Blüte der damaligen Kreisstadt.

Zu diesem Ereignis wurden die Festspielorte mächtig her-ausgeputzt. Sie profitierten von einem einmaligen Investitionsprogramm. Die DDR wollte sich von der besten Seite zeigen. Kernstück der Vorbereitungen waren der Um- und Ausbau des damaligen Kreis-Kulturhauses. Es entstanden das Bühnenhaus und die Außenbühne. Das Vorderhaus mit der markanten Fassade gab es schon. Das Haus verfügte lange Zeit über den größten Saal weit und breit. Selbst der viel bedeutendere Kreis Stendal konnte da nicht mithalten.

Vom 3. bis 6. Juli 1986 wurde im gesamten Bezirk Magdeburg gefeiert. Trotz des offiziellen Charakters war es ein buntes Fest. Laienkünstler konnten ihr Können bei Theater- und Tanzaufführungen, Kunstausstellungen, Filmen, Kabaretts und Konzerten beweisen. Zum Programm gehörten auch Auftritte bekannter Künstler und Gruppen. Die Freundschaft zur Sowjetunion wurde ebenfalls kulturell zelebriert.

Das Kreiskulturhaus Tangerhütte auf einer Postkarte aus dem Jahr 1983.

Tangerhütte zählte damals fast 8000 Einwohner und hatte alles, was zu einer sozialistischen Kreisstadt gehört. Ein modernes Neubaugebiet mit Schule war fünf Jahre zuvor am westlichen Ortsrand entstanden. Wohnungen blieben dennoch knapp. Auf der anderen Seite der Stadt wurde ein Komplex mit großer Sport- und Schwimmhalle gebaut. Niemand ahnte, dass die Blüte schon bald ein jähes Ende fand. Im Oktober 1987 wurde die Auflösung des Kreises Tangerhütte beschlossen. Ab 1. Januar 1988 waren der Kreisstadtstatus und die damit verbundenen Privilegien passé.

Bis dahin war die Staatsmacht mit den üblichen Einrichtungen präsent. Die SED-Kreisleitung residierte im historischen Rathaus. Der Rat der Stadt war in der Schönwalder Straße deutlich weniger repräsentativ untergebracht (heute Friseur- und Nebengebäude). Auf dem Gelände des Rates des Kreises zog später die Lebenshilfe ein. Das Volkspolizeikreisamt befand sich am Ende der Rudi-Arndt-Straße und die Kreisdienststelle für Staatssicherheit im heute leerstehenden Gebäude der ehemaligen Polizeistation. Jede Partei (SED; CDU; LDPD; DBD; NDPD) hatte ein Büro in der Stadt, außerdem viele Kreisverbände (z. B. GST, DRK, Kulturbund).

Von Christian Wohlt

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