Beim Anblick von Mato und Anouk wechseln Passanten die Seite – Zu Unrecht, findet die Besitzerin

Der Hund im Wolfspelz

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Liane Reichelt mit ihren Tschechischen Wolfshunden Anouk und Mato. Wenn sie den Menschen als Leitwolf akzeptieren, sind diese Hunde loyale und sehr anhängliche Wegbegleiter.

Tangerhütte. Im Moment häufen sich Wolfssichtungen in der Altmark. Isegrim reißt Schafe, die ihm auf dem Präsentierteller serviert werden, wenn Herden nicht genügend abgesichert sind.

Die Angst, Wölfe würden auch dem Menschen gefährlich nahe kommen, gilt nach Ansicht von Wolfsexperten als unbegründet. In Tangerhütte hält sich Liane Reichelt als Einzige zwei Tschechische Wolfshunde (TWH). Sie haben Wolfsblut in sich und wohnen mitten unter den Menschen.

Anouk im Land der Träume. Von was er wohl träumt?

Die Anschaffung hat sich Reichelt gründlich überlegt. Denn es müssen mindestens zwei sein, weil sie allein nicht gehalten werden können. Mato und Anouk sind zwei stattliche Tschechische Wolfshunde. Ihre Besitzerin hat die zwei fest im Griff. „Das muss man auch, denn sie sind sehr eigensinnig, aber sie akzeptieren mich als Rudelführerin“, erklärt sie. Traurig machen sie die Vorurteile durch Unwissenheit und das Gerede hinter vorgehaltener Hand. Sobald sie mit den beiden großen Hunden entdeckt wird, wechseln Passanten aus Angst, angefallen zu werden, die Straßenseite. Gerede gäbe es darüber, dass die Hunde unbegründet beißen, immer am Jaulen und schwer erziehbar seien, durch ihre Wolfsgene Pferde verrückt machten oder andere Wölfe anziehen würden. „Das stimmt überhaupt nicht“, sagt Liane Reichelt wütend. Allein von der Anlage her sind die Tiere eher scheu, denn die Kreuzung von Karpatenwölfen mit deutschen Schäferhunden entstand in den 1950er Jahren in der Hoffnung, unerschrockene Hunde für die Grenzarbeit zu züchten. Das schlug fehl, denn die wölfischen Instinkte vor Gefahren eher zu fliehen, statt sich ihnen entgegenzustellen, waren viel stärker ausgeprägt.

„Die zwei wurden früh sozialisiert und vertragen sich mit anderen Hunden“, ergänzt sie. Mit der Verträglichkeit anderen Hunden gegenüber sei es genau wie beim Menschen. Darüber hinaus seien Mato und Anouk extreme Schmusebacken, sehr anhänglich und verspielt. Während Anouk freundlich auf alle zugeht, hält sich Mato immer etwas zurück. „Ihr Schutzinstinkt uns und unserem Grundstück gegenüber ist sehr ausgeprägt. Einfach auf den Hof zu kommen, wenn ich nicht da bin, ist nicht ratsam, denn dann könnte Mato auch mal zuschnappen, weil er Haus und Hof verteidigt. Um sie kennenzulernen ist es besser, sie anfangs nicht zu beachten und die Hunde den ersten Schritt machen zu lassen“, sagt sie, „und weil sie einen großen Jagdtrieb haben, gehe ich mit den beiden nie unangeleint aus dem Haus.“

Das war Liane Reichelt eine Lehre. Ihre erste Hündin Siera verschwand spurlos, auf einem Spaziergang als sie nicht angeleint war. „Ich war nur kurz abgelenkt und schon war sie weg“, erzählt Liane Reichelt traurig. Wochenlang hätte sie die Hündin gesucht, sei in der Gegend umhergefahren und hätte Plakate aufgehangen, doch von Siera fehle bis heute jede Spur. Reichelt nimmt an, dass sie jemand gefunden und behalten hätte, obwohl sie einen Wiedererkennungs-Chip trägt.

Wer mehr über diese Hunde erfahren möchte, kann sich hier auf dieser Seite schlau machen: tschechoslowakischerwolfshund.de

Von Maren Maatz

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