Hospiz Stendal bringt Lüderitzer Schulkinder zum Nachdenken über den Tod

„Im Himmel geht es weiter“

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Leon, John, Lucas, Anna, Elisa, Johannes und Luca (v.l.) zeigen die Pflanzen, die sie eingetopft haben. Sie sind ein Symbol dafür, dass ein entwurzeltes Leben in neuer Erde wieder Wurzeln schlagen kann.

Lüderitz. In dieser Woche beschäftigten sich die Kinder der Grundschule in Lüderitz mit dem Tod. Sie informierten sich über Krankheiten, fragten dazu die Tangerhütter Ärztin Frauke Wienecke, und sprachen über eigene Erfahrungen in der Familie.

Mehrere ehrenamtliche Mitarbeiter des evangelischen Hospizes Stendal besprachen sich mit den Kindern jeden Vormittag.

In einem Klassenraum arbeitete gerade eine Gruppe der Kinder an Fragen für ihre Eltern. Die AZ bat zum kurzen Gespräch.

Wie war die Woche bisher? 

Cool. Es ist aufregend und interessant, das mit dem Tod und dem Sterben.

Was habt Ihr denn gelernt?

Wenn aus einer Familie einer gestorben ist, und ich die Verwandten kenne, dass ich dann bei denen klingele. Man soll nicht abhauen, man soll darüber reden.

Aber warum sollte man überhaupt abhauen wollen? 

Vielleicht will man abhauen, weil man nicht darüber reden will. Aber es tut den Leuten doch gut.

Erzählt mal, habt ihr schonmal Tote in der Familie erlebt? 

(Wild durcheinander)

Ja, mein Großvater ist gestorben.

Und meine Großmutter.

Und meine Großmutter auch und mein Großvater und mein Urgroßvater.

Und meine Urgroßmutter und meine Ururgroßmutter.

Und mein Onkel.

Ihr habt Fragen an Eure Eltern aufgeschrieben. Erzählt mal, was steht da? 

Wie stellst Du Dir den Tod vor? Was war dein schlechtester Tag im Leben? Was war Dein bester Tag im Leben? Wo bist Du geboren? Warst Du schonmal bei einem Leichenschmaus? Wie alt warst Du bei Deiner ersten Beerdigung?

(An ein stilles Kind) Und welche Fragen hast Du? 

Nur zwei. Meine Mama hört das nicht gern.

Was hört sie nicht gern? Über den Tod reden? 

Ja. Die Mama von meiner Mama ist früh gestorben, ich war da vier Jahre alt.

Und kannst Du Dich noch an sie erinnern? 

Ich weiß nur noch Bruchstücke, an die ich mich erinnern kann. Dass ich und mein Cousin die einzigen waren, die auf ihrem Sessel sitzen durften. Und dass sie immer Braten gekocht hat. Es war der beste Braten, den es gibt.

Was glaubst Du, was sie jetzt macht oder wo sie ist? 

Das weiß ich nicht. Aber ich hoffe, dass es ihr gut geht.

Habt ihr Angst vorm Sterben? Wer Angst vorm Sterben hat, Finger hoch! 

(Fast alle Finger gehen hoch)

Du, warum hast Du Angst? 

Weil man dann seine Familie nicht mehr sieht. Und ich hoffe, dass ich mich nicht mit einer Krankheit quälen muss.

Du, Du hattest Dich nicht gemeldet. Gar keine Angst? 

Nein. ich bin ja noch sehr jung. Ich kann ja noch sehr lange Leben.

Ihr habt heute Pflanzen eingetopft. Erklärt das mal, was soll das bedeuten? 

Wir haben einen Film gesehen. In dem hat ein Mann eine Pflanze aus dem Boden genommen und die Erde abgemacht. Dann hat er sie wieder woanders eingepflanzt. Das heißt, dass es ein neues Leben geben kann. Im Himmel geht es weiter.

Von Kai Hasse

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